Eine geräumige Freitreppe führte in den ersten Stock, dessen Säle alte zopfige Stuckdecken aufwiesen. Ein angrenzender Schuppen war zur Steindruckerei eingerichtet. Das Ganze lag in einem alten Garten, in dem eine große Rosenlaube die Familienmitglieder bei den gewohnten Beschäftigungen vereinte.
Später zog man dann in das alte Haus in der Katharinenstraße, das sich wohl für die geschäftlichen Zwecke noch geeigneter erwies, und in dem man bis zum Verkauf der Druckerei verblieb. Der Elbkanal, der hinter diesem Hause vorbeifloß, bot Otto Gelegenheit zum Wassersport und zu Studienfahrten in ein noch unentdecktes Lagunengebiet, das mit seinen malerischen Durchsichten ein zweites Venedig genannt werden konnte. Doch mußte man sich die Zeit zu solchen Ausflügen abstehlen und durch sehr frühzeitiges Aufstehen gewinnen; denn die Berufsarbeit forderte den ganzen Mann.
Doch kam das erst späterhin, zählte Otto doch bei der Geschäftsgründung erst elf Jahre.
Zunächst blühten noch schöne Zeiten der Ungebundenheit, des Schwärmens und Schweifens in die Ferne.
Es war der schon eingangs erwähnte Freiherr von Rumohr, der die jungen Leute oft als Gäste auf seinem Gute Rothenhausen beherbergte und sie 1823 zu einer Studienreise durch Schleswig-Holstein veranlaßte.
Der Brüggemannsche Altar in Schleswig und Memlings Dombild in Lübeck gewährten Eindrücke, die bei den Brüdern die in der Zeit liegende Neigung für alte deutsche Kunst vertieften. Diese Einflüsse und der Aufenthalt im Hause des der Familie befreundeten Dr. Overbeck waren wohl die Ursache für die nazarenische Richtung, die Erwin in seiner Kunst einschlug.
Otto kehrte noch wiederholt auf Wochen, ja Monate nach Lübeck zurück, um Studien zu machen. Erwähnenswert ist, daß er bei dieser Gelegenheit im befreundeten Hause Curtius wohnte und mit dem Sohne Ernst, dem nachmaligen Philologen und Erzieher des Kaisers Friedrich, Freundschaft schloß.
Es ging auch hier im Kreise Gleichgesinnter lustig zu. Einmal hatte man nachts, bei losen Streichen ertappt, vor dem Nachtwächter Reißaus nehmen müssen, und Otto war, fix wie es seine Art, schnell entschlossen an einem Eisengitter auf den Balkon im ersten Stock eines fremden Hauses geklettert. Als das Feld wieder rein war, kam er hinunter; aber im Eifer des Gefechts hatte er vergessen, seine Studienmappe, die er oben an die Wand gelehnt, mitzunehmen und war nicht wenig verdutzt, als man sie ihm am nächsten Morgen beim Frühstück mit höflichen Empfehlungen überbrachte.
Die durchreisenden Freunde berichten übrigens seiner Familie von seinem großen Fleiß. Briefe der Mutter wieder erzählen von den kleinen häuslichen Erlebnissen, wobei die Tiere obenan stehen: Hero würde so ungezogen, daß er ihn bei seiner Rückkehr tüchtig prügeln müsse; beide Katzen hätten vier Junge bekommen, die alle ersäuft wären; die Vögel wären munter und Malvine (die dritte Schwester) füttere sie reichlich; seine Myrthe hätte drei Knospen; der ihm kürzlich geschenkte Laubfrosch piepe und verzehre täglich eine Fliege. Das Hauptinteresse beanspruchen in den Mitteilungen des Bruders Briefe, der aus der Fremde fleißig aber so undeutlich schreibt, daß Hermine, die Älteste, sie nur entziffern kann und den andern vorliest.
Aus dieser Zeit datiert ein erhaltener Brief des alten Speckter an Otto, der uns den Einblick in eine liebliche Familienidylle gewährt: