Ganz stad ist’s draußen, und grausam hell, und alle Haustüren stehn weit offen.

»Was ist denn des?« denkt der Jackl: »is doch nachtschlafende Zeit!«

Aber die Haustüren stehen offen, und jetzt sieht er’s: eine ganz leise, leuchtende Schafherde wimmelt die Gasse hinab; schneeweiß, wollig, flockig wimmelt’s, wuselt’s durcheinander. Ein mondheller Wolfshund rennt an ihr hin, umkreist sie; Funken tanzen aus seinem Borstenfell, flüssiges Silber trieft ihm aus dem Maul. Und hinter der Herde drein wankt der Hirt, in blauem Mantel, ein alter Mann. Tief sitzt ihm der große Glanzhut im Gesicht, daß nur der welke Mund und das bleiche Kinn hervorschauen; an langem Stecken wankt er hin und bewegt die Lippen. Er singt.

»In Gottes Namen

Die Mondschaf treib ich. Amen!«

klingt’s kaum hörbar in die Stube, während er vorbeischwankt. Und Hirt und Hund und Herde sind verschwunden.

Lange Eiszapfen funkeln an den Dachrinnen. Der Schnee strahlt von tausend feurigen Sternlein. Mit schlafschwerem Blick schaut der Jackl hinaus in die weiße Pracht, die so stumm ist und so kalt.

»Wie einsam, daß is, ha, wie einsam!«

Auf einmal träppelt’s daher durch die Mondnacht – ein Hündlein träppelt über den glitzernden Schnee. Ganz allein. Graufarben ist’s, ein Krummbein, ein Dackeltier ist’s. Kerzengerade hat’s seinen Schwanz aufgestellt und wedelt leis mit der Spitze, und seine langen Ohrwatscheln zittern, wie es dahinläuft. –

»Ah, Narr! Is denn das nit der Woidl! Ja bist denn nit tot? Was bist denn so grau, Woidl?«