O, er weiß, daß jener Mensch es war, der ihm so wehe getan! Jener Mensch mit dem grauen Rock und dem grauen Bart, den er durch neun Winter für gut hielt, weil er ihm Heu brachte und den Schnee wegpflügte und salzige Steine an seinem Lieblingsstandorte aufstellte. Aber die Güte dieser Mächtigen ist nicht treuer Art; sie geben nur, um nehmen zu dürfen …

Weiter, weiter, eh das Blut gerinnt, die Flamme verlischt!

Stöhnend reißt er sich empor.

Stangenholz, Altholz, Stangenort, Abfuhrweg, hohes Holz, Schneise. Er sieht die Baumreihen wie im Traume an sich vorbeigehen. Er kennt jedes einzelne Jagen, jeden Stamm. Hier hat er vor zwei Jahren seine Zwölferstangen abgeschlagen, dort hat er im letzten Sommer sein Vierzehnergeweih fertiggefegt. Es war das beste, das er je trug, heute setzte er auf ungerade zwölf Enden zurück. Da der Futterraufen, drüben die Lecke; in diesem Bestande schlug er damals den Sechzehnendigen fast zuschanden und trieb ihm dann noch sein Rudel weg. Nun das enge Jungholz, wo einst der uralte Zehner plötzlich zurückblieb, kurz wurde, dröhnend ins Reisig brach. Dort stürzte das Schmaltier inmitten der Richtschneise; hier hat er zum ersten Male heimlicher Herbstminne gepflogen, während der Achtzehnendige im Farnkraut schlief …

Die Wälder wandern an ihm vorbei wie seine Schicksale. Er wirft nicht auf, in seinen verglasenden Lichtern spiegelt sich nichts mehr. Er sieht nur die Waldstreu, die, wie er langsam weiterzieht, unter seinen Läufen weg nach rückwärts geht. Er ist sich seiner Tritte nicht bewußt, ohne Wille, ohne Kraft schleppt er sich durch den heißen Spätsommertag.

Nur das eine weiß er irgendwo im Innersten: Dort ist das Wasser, dort die schwarze Suhle, dorthin drängt ihn ein dumpfer Trieb, eine letzte Sehnsucht.

Er tritt aus dem Bestande auf den Schlag. Die Luft flackert, Schmetterlinge schwanken über den Klafterstößen, im blauen Himmel schwärmen schon die funkelnden Schwalben.

Fast tut ihm die glosende Sonne wohl. Denn in seinen Läufen ist schon eine Kälte, eine lähmende Schwere.

Weiter, weiter! Da drüben liegt ja das Bruch, die Suhle.

Wieder schlägt tiefer Schatten über ihm zusammen. Es ist doch besser in dieser Dunkelheit. Hier im Bruch weht es kühl, Moorduft liegt über dem gurgelnden Boden.