da kamen Vettern, guckten Tanten,

es kam ein Bruder und ein Ohm“,

und dann „Der Müllerin Reue“. Wie muten uns diese Bilder so wohltuend an! Zu den hervorragendsten dieser Bilder gehören die Zeichnungen zu „Hermann und Dorothea“, von denen wir [Abb. 111] bringen: „Und so saß das trauliche Paar, sich unter dem Torweg über das wandernde Volk mit mancher Bemerkung ergötzend.“ Es atmet dieses Blatt die friedliche Stille und Behaglichkeit der kleinen Stadt! Trefflich sind die Bilder zu „Götz von Berlichingen“: „Schreiben ist ein geschäftiger Müßiggang“ ([Abb. 112]) und „Es war einmal“ ([Abb. 113]). Wie lauschig ist das behagliche Turmstübchen, und von welcher Anmut das Figürchen der Maria! Wie ist das alles deutsch gedacht und empfunden!

Abb. 88. Erhalt Gott meinen Friedel.
Hebels alemannische Gedichte. 1851. (Zu [Seite 63].)

Abb. 89. Der Bettler. Hebels alemannische Gedichte. 1851. (Zu [Seite 63].)

1855 erscheint, von seinem Schwiegersohn A. Gaber herausgegeben, „Die Christenfreude“, eine Sammlung von geistlichen Liedern mit einundvierzig Bildern von Richter, die übrigen sind von Jul. Schnorr und Carl Andreä. Der Tod seiner Frau — sie starb 1854 — lastete schwer auf ihm, es weht uns ein schwermütiger Ton aus diesen Bildern entgegen; innere Anfechtung wechselte in ihm mit gläubigster Christenhoffnung. Die Liedertexte wählte er selbst, sie sind von tiefer Glaubensfreudigkeit durchdrungen; dem Maler merkt man die niedergedrückte Stimmung seiner Seele an: „Es fehlt mir immer etwas, und ich sehe mich manchmal um, als müßte es von außen kommen, was die schmerzhafte Lücke im Herzen gemacht hat, und sie wieder heilen; aber dann besinne ich mich, und der Loschwitzer Friedhof und der noch kahle Sandhügel steht mir vor Augen. Und da heißt es ‚Glauben‘. Sichtbar ist der Tod, unsichtbar das Leben geworden,“ so schreibt er am 4. November, an welchem Tage vor siebenundzwanzig Jahren er seine Auguste zum Altar führte. Sich selbst zeichnet er in dem Bildchen ([Abb. 114]) zu dem melancholischen Herbstlied von Heinrich Albert:

„Der rauhe Herbst kommt wieder:

Jetzt stimm’ ich meine Lieder