Mara fühlte eine Schwüle. Sie öffnete die Türe und schritt die Freitreppe hinab. Fast erstickend zerriß sie den Kragen ihres Kleides. Der Sturm schlug ihr ins Gesicht. Die feuchten Schneeflocken zerschlugen sich an ihrer Brust und das kühle Wasser rieselte an ihrem Körper herab. Sie erbebte, aber sie zog die kalte Luft tief ein.

Der Schnee ließ den Himmel bleich erscheinen. Der Wind bewegte die kraftlosen, weißen Massen. Am Tore und über dem Zaune heulte der Sturm.

Im fernen Pferdestall sah man die schwankende Laterne des Kutschers, der die Pferde bestellte.

2.

Nikolai saß an seinem Schreibtisch.

Alles ringsum war ihm so bekannt: die farbigen Tapeten, die Bücherreihen auf ihren Brettern, die Mappen mit den angefangenen und lang schon vergessenen Arbeiten. Es brannte die bekannte Lampe unter dem grünmetallenen Lampenschirm.

Nikolai lehnte sich tiefer in den Sessel und legte die Füße auf das Bärenfell. Er wollte denken, viel denken, immer und immer noch denken. Sich dem Gedankengange so hingeben, wie auf dem langen Wege der Schneefelder. Es lag eine physische Wollust darin, daß die Gedanken wieder so auf den vorgemerkten Wegen eilen konnten.

Natürlich dachte er daran, was schon zwei Jahre sein ganzes Leben ausmachte und seine ganze Seele erfüllte: an diese drei Frauen, an die er durch furchtbare Banden der Seligkeit und Qual gefesselt war. Und so nach einem sinnlosen Fluchtversuch, um sich wieder einer dunklen Freiheit anheimzugeben, um sein Leben an einem Punkte in zwei Teile zu teilen, ist er wieder hier, bei ihnen, und wieder haben die Tage der entrückten Stunden zu beginnen, die Tage des Jubels und der Verzweiflung. Er begriff, o er begriff heute, daß er außerhalb dieser Atmosphäre gemeinsamer Beleidigungen und Anbetungen, die sie einander entgegenbrachten, nicht leben könnte, daß er ohne sie sterben müßte, wie eine tropische Pflanze ohne Treibhaus. Er wußte, daß er auf ewig hierher zurückgekommen war.

Sein Kopf drehte sich und schmerzte, vielleicht vor Müdigkeit, vielleicht von Erkältung. Die Bilder und Gestalten der Gedanken waren so deutlich, wie sonst nur im Traum oder im Fieber. Und wie im Anfangsstadium des Traumes

fühlte er sich fähig, den Wechsel der Erscheinung zu beherrschen, Gestalten herbeizurufen, wie es ein Zauberer durch die Kraft seiner Beschwörungen vermag.