Und sofort verließ Nikolai jene Erstarrung, die sich immer im Traum einstellt, wenn man fliehen muß. Er warf sich auf Kett, um sie aufzuheben, seine Lippen auf ihre Wunden zu drücken, ihr zu sagen, daß er nur sie liebe — und erwachte.

Er war allein in seinem Kabinett, und saß auf seinem Sessel. Unter dem grünmetallenen Schirm brannte die Lampe hell und gleichmäßig. Ringsum war es still.

War es denn Kett, die zu ihm hereinkam? Oder war alles nur ein Fiebertraum?

Er trank noch mehr Wein. In den Schläfen hämmerte es.

4.

Lange saß Nikolai so, seinen Kopf in seine Hände gepreßt. Um seine Erregung zu bekämpfen, bemühte er sich, etwas Nebensächliches, Unwichtiges zu denken. „Dann, dann,“ sprach er zu sich, „dann will ich alle Fragen entscheiden, aber jetzt muß ich mich beruhigen, sonst werde ich verrückt.“ Doch es waren immer dieselben Gedanken, immer dieselben Bilder, die zu ihm kamen, wie Wellen in der Stunde der Flut zu dem ausgehöhlten Stein kommen.

Es ist sehr schwer, so allein zu sein mit den Gedanken, wenn sie plötzlich ein unabhängiges Leben gewinnen, unerbittlich einen bestürmen und die geschwächte Erkenntnis mit langen Speeren besiegen! Könnte man weggehen aus diesem einsamen Zimmer, das allen Traumgesichtern offen steht, — zum Licht, zum Menschenwort, zu den Menschen! Ist denn wirklich der schweigende Ruf der Seele zu schwach, um jemand hereinzurufen, der mitleidig wäre und trösten könnte? Er hat keine Kraft mehr, er bittet um Erbarmen.

Und leise und kaum hörbar öffnete sich die Türe. Mit den zärtlichen Schritten des liebenden Weibes kam Lydia herein, trat an ihn heran, legte ihre Hände auf seine Schultern:

— Du bist müde, Nikolai, bist krank, leg dich zu Bett.

Fieberhaft grub er sich in ihre Hände. Er wandte ihr sein erhitztes Gesicht zu. In der Welt quälender Halluzinationen, wie war es freudig, ein schlichtes und mildes Gesicht