Ein unaufgeklärter Fall

1.

Ferne erstarb der Glockenton, zerschmolz fast klagend, so daß es bald schwer wurde, zu unterscheiden, ob man ihn noch höre, oder ob er nur in der Erinnerung klänge.

Langsam und schweigend kehrten die Schwestern in den Saal zurück. Keine sah die andere an. Wußten nicht, was zu sprechen.

Noch standen auf dem Tische die Reste des vor kurzem beendeten traurigen Abendbrotes, eine kaum angebrochene Weinflasche, ein kalt gewordener Teekessel.

Lydia wagte es, zu sprechen:

— Kett, willst du nicht Tee? Ich glaube, du trankst noch nicht.

Mara zuckte nervös mit den Achseln. Kett schüttelte den Kopf.

Alle drei setzten sich, schwiegen, dachten an dasselbe. Dachten an ein Schneefeld und an ein Dreigespann, das schnell über die Wege frischen Schnees dahinbraust; dachten an ein Stationsgebäude, das ganz in Lichtern steht; hörten schon das gleichmäßige Räderrollen, das sich immer, kaum daß die Wange sich an das harte Polster des Waggons gelehnt hat, so sehr mit den ersten Bildnissen des Traumes vermischt . . . . Dann dachten sie an das ferne Paris, an breite und helle Plätze, an bunte, schwirrende Boulevards. Dachten daran, daß Nikolai nun nie wieder zurückkäme.