Und in jeder Seele erhob sich das Gefühl kraftloser zu später Reue, schwoll an wie Wasser, strömte über: das quälendste aller Gefühle. Und in den drei verschiedenen Sprachen dreier verschiedener Seelen sprachen sie, sagten sich selbst, sagten sich die gleichen Worte: wie es möglich war, diesen letzten Augenblick vorübergehen zu lassen. Wie es möglich war, nicht den letzten, und sei es verzweifelten Versuch zu wagen? Wie, wenn man eilen würde, ihn ereilen, etwas sagen, etwas ausführen? . . . Oder ist es schon zu spät? Zu spät? Zu spät?
Die Schwestern schwiegen, doch es war ihnen, als tauschten sie nichtssagende Worte aus. Und vielleicht tauschten sie auch nichtssagende Worte aus und es war ihnen nur, als wenn sie schwiegen.
Draußen begann der Schnee zu wirbeln. Und im Netz der wehenden Schneeflocken war noch verwischter die Biegung des Weges und der Abhang mit dem schwärzlichen Zaune jungen Fichtenwaldes und weiterhin rechts die Ferne leblosen Feldes.
Irgend eine Zeit verging. Und es wäre ein Tropfen genug gewesen, zu fallen in dies Gefäß der Hoffnungslosigkeit, ein Wort, ein Anstoß, damit diese drei Frauen aufspringen würden mit dem Schrei des Entsetzens, hinstürzen wie ohne Gefühle oder sich aufeinander wie drei Wölfinnen werfen, um sich zu zerfleischen und mit den Krallen zu zerreißen.
Doch in gleicher Erstarrung folgten die Minuten den Minuten. Nur der Schneewirbel wurde dichter. Nur die Töne verstummten in dem Häuschen, das die Dienerschaft bewohnte.
Und jemand sagte, daß schon Mitternacht wäre.
Die Schwestern standen auf, verabschiedeten sich von einander, gingen in ihre Zimmer. Und hörbar wurde in den Zimmern das Rauschen der Kleider. Dann verstummte auch dies.
Und mit jeder waren die Nacht und ihre Gedanken.
Draußen hob der Sturm an.
Ferne erstand der Glockenton, war anfangs kaum hörbar, so daß es schwer wurde, zu unterscheiden, ob man ihn höre oder ob er nur in der Erinnerung klänge, ergoß sich langsam in die nächtliche Stille, verstärkte sich, gewann eigenen Körper. Und schon klingen die Glockentöne nah und deutlich. Das Dreigespann eilt flink auf dem Wege heran, biegt ab und schon wird auf dem frischen Schnee das dumpfe Knirschen der Schlittenkufen hörbar, und, der Freitreppe sich nähernd, hält der Kutscher die Pferde an.