»Halt ein!«

Das war Max, der sie anschrie. Er kam zur guten Stunde für die Grille. Die Angreiferin war überrascht, ließ ein wenig locker, und es gelang der zu Tode Geängstigten, ihrem Feinde zu entschlüpfen. Mit einem Hupf war sie in ihrem Loche. Dafür fiel die Wespe wütend vor Zorn über Max her. Aber es ging ihr wie einstens der Sandwespe. Der tötende Stachel glitt auf dem Hanfpanzer ab, und Max sagte lachend:

»Verehrteste Frau Mörderin, diesmal sind Sie schön ausgerutscht!«

»Was mischest du dich in meine Angelegenheiten, du hergelaufener Fremdling! Drei Grillen habe ich bereits zu Hause eingebracht, und eine fehlt mir noch; endlich hatte ich sie glücklich, und du bist schuld, daß sie mir entwischte.«

»Genügen die dreie dir nicht?«

»Keineswegs! Ich brauche vier Stück für meine Eier. Habe ich keine viere, so bekommen meine Kinder nicht genug zu essen. Nun kann ich deines Vorwitzes halber von neuem die Jagd beginnen.«

»Verzeihung, Frau Mordwespe, die arme Grille tat mir leid. Mit deiner wilden Kraft wirst du gewiß bald eine andere bekommen. Lebe wohl und entschuldige vielmals!«

Max nahm seinen Weg wieder auf. Der Zweikampf zwischen Wespe und Grille und seine Unterhaltung mit dem betrogenen Sieger hatte ihn nicht im geringsten in der Richtung des Weitermarsches beirrt.

»Ohne mein Eingreifen«, sprach er für sich, »wäre die Grille schön eingegangen! Diese Mordwespen besitzen eine verteufelte Kraft. Man sieht es ihnen gar nicht an. Gleichwohl muß ich meine Freundin Gallwespe noch mehr bewundern. Sie ist viel kleiner und war doch imstande, sich einen Weg durch ihre steinharte Kugel zu bahnen!«

Max wanderte und wanderte unermüdlich weiter. Ihn drängte die Sehnsucht, ans Ziel zu gelangen, und der Weg zur Mutter war gar so weit.