25. Die geheimnisvolle Barke.

Nach einigen heftigen Anstrengungen schien das geflügelte Insekt sich wieder zu erholen. Es streckte den Körper, drehte sich um sich selbst und betrachtete mit Liebe ein Häufchen Eier, die am Grashalm festgeklebt waren. Sie waren etwas über drei Millimeter lang, gelblich und an dem dickeren Ende rot gefärbt.

»So, das hätten wir«, sagte das rätselhafte Geschöpf und beschaute sichtlich befriedigt sein Werk. »Man lebt so kurz; aber wenn man für die Nachkommenschaft gesorgt hat, kann man getrost sterben. Meine Kinder werden weiterleben.«

Max, der unterdessen stumm vor Staunen dabeigestanden war, konnte sich jetzt nicht länger halten und rief:

»Aber du bist einmal eine brave Mutter!«

»Hm, freilich«, erwiderte ganz verschmitzt das Insekt, »vielleicht käme es dir besser zu statten, wenn ich es nicht wäre!«

»Ich begreife dich nicht. Doch da du keine Libelle sein willst, darf man vielleicht fragen, wer du bist?«

»So viel kann ich dir sagen, ich bin eine große Verehrerin der Ameisen, aber ich weiß nicht, ob sie mich ebenso lieben wie ich sie.« Dann fuhr sie, Max spöttisch musternd, fort: »Gehe du nur einstweilen deiner Straße; ich verweile hier, um meine Kinder in Sicherheit zu bringen, denen ich wünsche, sie möchten in ihrem Leben recht vielen Ameisen begegnen, die so gut sind wie du; du scheinst mir eine ausgezeichnete Ameise zu sein.«

Die sonderbare Betonung der letzten Worte gaben dem Satz einen unheimlichen Sinn. Oder sollten sie eine besondere Artigkeit bedeuten? Max rannte, von einer innerlichen Stimme gemahnt, eiligst weiter, ohne sich für eine solche Artigkeit mit diesem Beigeschmack zu bedanken. In schweren Gedanken und mit einigem Herzklopfen zog er in langen Schritten fürbaß und grübelte vergebens, in den verborgenen Sinn jener Worte einzudringen. Nach einem guten Stück Weges hörte er hinter sich sprechen: