»Willst du wirklich wissen, wer ich bin?«

Max schnellte erschrocken rasch herum. Auf einem Grashalm, der über ihm schwankte, saß das Insekt, das er Libelle genannt hatte.

»Da wir weit genug von meinen Eiern sind und du sie vergeblich suchen würdest, will ich es dir sagen: Zittere! Ich bin der Ameisenlöwe.«

Diesmal war es Max, der hellauf lachte. Der grausige Name, die schreckliche Betonung, die theatralische Feierlichkeit, mit der das Insekt ihn aussprach, versetzten unsern Helden in beste Laune. Mit tiefer Verneigung nahm er die Vorstellung entgegen und ahmte antwortend die herausfordernde Sprechweise dieses Löwen nach.

»Entschuldigen Sie vielmals, Herr Ameisentiger, wenn ich Sie nicht gleich erkannt habe! Auf Wiedersehen, Herr Ameisenleopard! Herr Ameisennilpferd, ich empfehle mich Ihnen als Wärter für Ihre jungen Löwen, die aus Ihren Eiern schlüpfen. Wenn Sie nur nicht mit ihren Löwenkrallen die Eierschalen zu früh zerbrechen!«

Trotz aller schlechten Witze war sich Max nur zu sehr des unangenehmen Eindrucks bewußt, den der Name auf ihn gemacht hatte. Er erinnerte sich dunkel, während seines Lebens im Ameisenheim gehört zu haben, der Herr Professor wolle eine Vorlesung über Ameisenlöwen halten. Fuska sagte damals zu ihm, er möge recht aufpassen dabei; denn man müsse sich arg vor diesen Geschöpfen in acht nehmen. Viel später erst sollte unser verbannter, armer Kaiser mit eigener, entsetzlicher Lebensgefahr die Erklärung des Geheimnisses finden, das in den Worten seines unheimlichen Reisegefährten versteckt lag.

Ohne von der Richtung seines Hauses abzuirren, schritt er rüstig vorwärts. Lange war er schon gegangen, als sich unversehens vor ihm ein Hindernis einstellte, das mit einem Schlage alle frohen Hoffnungen vernichtete, die er während des langen Marsches genährt hatte. Vor seinen Füßen dehnte sich ein für eine Ameise unendlich großer See aus. Man bedenke nur, daß ihn ein Mann kaum mit einem Satze hätte überspringen können. Was tun? Wie ans jenseitige Ufer gelangen, ohne die Richtung zu verlieren? Richtung verloren, alles verloren! Wo könnte er je die Straße wiederfinden, die ihm seine Freundin Gallwespe gezeigt hatte?