Das einzige wäre gewesen, den See in liniengerader Richtung zu überqueren. Aber wie? Er konnte das jenseitige Ufer nicht einmal sehen. Mit verzweifelnden Blicken schaute Max hierhin und dorthin und ließ sie über den See gleiten, der blutrot gefärbt in der Abendsonne lag. Vergebens wartete er auf eine gute Eingebung, und endlich erfaßte ihn der Mut der Verzweiflung.
»Ich weiß nicht einmal«, jammerte er laut, »ob eine Ameise schwimmen kann! Doch was liegt daran. Entweder werde ich meine Mutter wiederfinden oder im Gedanken an sie ertrinken und sterben.«
So durchschritt er das letzte Grasbüschlein, das ihn vom Wasserrand trennte, näherte sich entschlossen der Flut und wollte sich eben hineinstürzen, als er mit einem Freudenschrei plötzlich zurückwich.
Unmittelbar vor ihm schwamm eine vornehme Barke mit sechs Rudern. Max glaubte sogar, eine bequeme, gelbe Sitzbank darin zu sehen. Diese Barke schien eigens auf ihn gewartet zu haben, mit keinem andern Zweck, als ihn aus grausamer Verlegenheit zu retten.
Begreiflicherweise überlegte Max nicht zweimal. Da die Barke ein klein wenig vom Ufer abstand, fand er sofort einen geistvollen Ausweg, um einsteigen zu können, ohne zu ertrinken oder mindestens pudelnaß zu werden. Er kletterte flugs auf einen langen Grashalm, der sich vom Ufer über das Wasser neigte. An der Spitze angelangt, schaute er sich genau um, brachte den Halm durch die Schwere seines Körpers in Schaukelbewegung, und wie er gerade über das Schifflein zu pendeln kam, sprang er ab und kam in der Barke vor die Bank zu stehen, die er gesehen hatte.
»Jetzt aber tüchtig gerudert!« rief Max und versuchte die Ruder zu ergreifen.
Aber das war gar nicht nötig. Als ob die geheimnisvolle Barke nichts anderes erwartet hätte als seinen Befehl, streckte sich das letzte Ruderpaar mit Zauberkraft weit aus, schlug mit kräftigem Schlag ins Wasser und führte die Barke mit größter Schnelligkeit vom Ufer weg auf hohe See.