»Da, nimm«, sprach die Ameise und streifte ihm eine vorzügliche Süßspeise in den Mund. Mit gespitzten Lippen kostend und leckend wollte Max wissen:
»Ach, was ist das Gutes?«
»Blattlaushonig, junges Ameislein. Schmeckt er?«
»Ausgezeichnet! Ich habe nie Besseres gegessen.«
Erwartungsvoll öffnete er noch einmal den Mund, um ein zweites Honigschlückchen zu bekommen. Dabei machte er eine neue Beobachtung.
Wie war doch nur sein Mund geworden? Sonderbar, ganz anders als sein Menschenmund! Er besaß zwei große, starke Unterkiefer, die man Mandibeln nennt. Ihre inneren Ränder waren gezackt wie eine Säge, und sie schlossen sich zusammen wie eine Zange. Doch dienten sie nicht zum Essen. Er spürte die Speise zuerst auf dem unteren Teil des Oberkiefers, der über den Unterkieferzangen lag und eine Art Lippe bildete. Auf dieser fühlte er, wie wir es mit der Zunge machen, den süßen Geschmack des Honigs, den er so behaglich einschlürfte.
Durch die feine Speise gekräftigt, fragte er sehr bescheiden, um nicht wieder Naseweis genannt zu werden, seine liebevolle Pflegemutter:
»Verzeihen Sie meine Neugierde! – Was für gute Sachen werde ich mit meinen großen, starken Kieferzangen kauen, da ich sie zum Honigessen nicht gebrauchte?«
»Gute Sachen? liebes Kind, gar keine; denn zum Kauen dienen deine kräftigen Zangen durchaus nicht.«