»Bedenke doch«, fuhr die Biene fort, »daß ich in meinem Reich zugleich etwas mehr und etwas weniger bin als Königin. Ich bin die gemeinsame Mutter, die Lebensquelle des Volkes. Ich sichere ihm den Bestand, weil ich allein für die Nachkommenschaft sorge. Dies Volk ist mein, weil ich es schuf, es zur Welt brachte; es ist mein Kind und ich bin seine Mutter. Aber glaubst du, daß ich zu meinem Vergnügen Königin geworden sei? Ich bin Königin, damit ich Eier lege, viele Eier! Bin es nur unter der Bedingung, daß ich das Volk erhalte, und Königin bin ich nur, solange ich dem Volk Mutter sein kann. An dem Tage, an dem ich mein Reich nicht mehr vergrößere, höre ich auf, Königin zu sein. Wie du siehst, ist meine Stellung sehr hoch von einem hohen Gesichtspunkt aus betrachtet, sehr erbärmlich von einem niederen aus gesehen.«
An Maxens langgezogenem Gesicht konnte man nicht ergründen, welchen der beiden Gesichtspunkte er vertrat und welche Auffassung von der Würde einer Bienenkönigin er bekommen hatte, aber jedenfalls machten die edle Sprache und das würdevolle Auftreten der hohen Frau einen tiefen Eindruck auf ihn. So viel erfaßte er sicher, daß man, um bei den Insekten etwas zu gelten, erst etwas Ordentliches leisten mußte.
Mit wehmütigem Ton setzte die Königin ihr Gespräch fort.
»Wenn ich wenigstens nach all meiner Sorge und Mühe ruhig altern könnte! Aber im Handumdrehen kann es geschehen, daß … nun, ich will nicht weiter davon reden!«
Max hätte gern auf der weiteren Aussprache dieses begonnenen Gedankens bestanden, allein er fürchtete, als taktlos zu gelten, und sagte nur:
»Hoffentlich erlaubst du mir, manchmal zu kommen, um mit einer Ebenbürtigen zu plaudern.«
»Mit Vergnügen, mein Lieber!«
Max verneigte sich, küßte der Königin ritterlich das Vorderbeinchen und verabschiedete sich von ihr, während ringsum lauter Jubel über das festliche und noch nie erlebte Ereignis widerhallte: