Sie wandte sich an eine vorübereilende Gruppe von Bienen und rief ihnen zu:

»Heda! Bringt mir das Frühstück!«

Bestürzt sah Max, wie die eiligen Bienen den Kopf schüttelten und sich nicht weiter um den Befehl kümmerten.

»Ha, siehst Du, wie gehorsam meine Untertanen sind! Und warum? Man erwartet die Geburt einer neuen Königin, der ich selbst das Leben gab.«

»Wie!« rief Max, »diese großen Zellen dort im Hintergrunde enthalten also Königinnen, die dich stürzen wollen?« Die Königin antwortete nicht, sondern sah gespannt nach der Richtung, die Max bezeichnet hatte. Mit einem Wutschrei stürzte sie unversehens dorthin:

»Ah, da sind sie ja schon, diese neuen Königinnen!« rief sie gellend.

Max folgte ihr erschrocken. Aber bei den Königinzellen war ein dichter Schwarm von Arbeiterinnen, die ersichtlich Wache standen. Sie hatten die Ankunft der alten Königin im voraus erwartet, warfen sich ihr entgegen, trieben sie zurück und schrien sie an:

»Hier kommt niemand durch!«

Max war außer sich über eine solche Frechheit. Er hatte seit seinem Eintritt ins Bienenhaus so viele Beweise von Ergebenheit gesehen, die dieses Volk seiner Herrscherin zollte, und konnte darum nicht glauben, daß alles plötzlich anders geworden sei und heller Aufruhr herrsche. Nun geschah doch das Unbegreifliche; es blieb nicht mehr zu zweifeln: eine Umwälzung begann. An diesem Tag waren nur ganz wenig Bienen ausgeflogen, die Stadt steckte voll von erregten Arbeiterinnen, welche da und dort in Gruppen herumstanden und hastig hin und her redeten. Im Vorübergehen hörte Max eine Biene, die mitten in einem beifallspendenden Schwarm eine Rede hielt:

»Es sind zuviel hier bei uns!« schrie sie, »seit zwei Tagen sind fünftausend neue Bürger geboren. Wenn wir nicht alle ersticken wollen, müssen wir einen Entschluß fassen!«