»Es ist unnütz, mir Vorwürfe zu machen. Wenn ich Hunger habe, hört meine Vernunft auf. Augenblicklich ist er so groß, daß ich fürchte, vor dir den Respekt zu verlieren. Ich will mich nun nicht mehr rühren und erwarte hier den Tod. Kommt er, so will ich ihn mit dem Ruf begrüßen:

›Es lebe Kaiser Max Butziwackel der Erste!‹«

Bei diesen Worten legte sich sofort des Kaisers Zorn. Er war bewegt durch so viel selbstlose Zuneigung und so todesmutige Ergebenheit für seine Person. Er begriff um so besser die Größe des Opfers, das sein Adjutant für ihn brachte, als er selber mächtig Appetit verspürte.

Darum stieg er langsam zum Eingang hinaus und sagte zur Holzwespe, die auf ihn gewartet hatte:

»Liebe Freundin, ich finde keine Worte, um dir für das schöne Haus zu danken, das du mir verschafft hast.«

»Was fällt dir ein!« antwortete diese. »Ich bleibe doch stets deine Schuldnerin; wenn du noch etwas brauchen solltest, sage es ohne Umstände.«

»Für jetzt vielen Dank«, sprach Max, »jedoch hoffe ich, daß du mich oft besuchst und wir uns dann stets gut zusammen unterhalten.«

Bei diesen Worten reichte er ihr zum Abschied sein rechtes Vorderbeinchen und begann den Abstieg am Eichenstamm. Die Wespe flog davon. Als unser Held am Erdboden angelangt war, lief er hierhin und dorthin, um etwas Eßbares zu suchen. Schon nach kurzer Zeit stieß er auf eine geplatzte, reife Pflaume, deren zuckersüßes Fleisch in der Sonne so appetitlich glänzte, daß ihm das Wasser im Munde zusammenlief.

Aber Max, dies Lob muß man ihm lassen, dachte nicht daran, zu verkosten.