Es war Ameisensäure. Sie wird von den Ameisen erzeugt und am Hinterleib ausgespritzt.

Das Ungetüm lag jetzt da, ohne sich vor- oder rückwärts zu bewegen.

Da kam Max ein prächtiger Gedanke, den er ohne Zaudern zum besten gab.

»Wißt ihr was? Wir zerschneiden den langen Kerl mit unsern Kieferzangen in zwei Teile«, rief er.

Aber wie mit einer Stimme hielten alle ihm entgegen: »Das wäre eine unverzeihliche Dummheit. Sie käme dem Herrn schön zustatten; da könnte er die Hälfte, die im Boden steckt, bequem in Sicherheit bringen.«

Max wußte eben nicht, daß es einem Regenwurm gar nicht einfällt zu sterben, wenn man ihn entzweischneidet. Max hatte bisher in der festen Überzeugung gelebt, daß ein Kinderverstand jedenfalls einem Ameisenhirnchen überlegen sei. Über das eben Erlebte wurde er sehr bescheiden. O weh, von einer Ameise mußte er sich so bekannte Dinge sagen lassen!

Heldenhaft zogen die Ameisen, dehnten und streckten den Wurm, aber ohne jeden Erfolg. Er steckte wie eingemauert in seiner Höhle. Max entdeckte am Bauche des Tieres eine Art Borsten, mittels welcher es sich fest am Boden anklammerte, und bei solcher Gegenwehr ließ sich denken, daß alle Ameisenkraft nichts nützte. Ein Augenblick allgemeiner Ratlosigkeit folgte der äußersten Anstrengung. Die Klügste stieg nun auf den Rücken der Schlange und befahl den andern, sie festzuhalten, damit sie nicht vollends im Erdboden verschwände.

»Hört mich an«, sprach sie eifrig, »dieser Starrkopf will sich nicht loslösen lassen. Wir werden ihm den Boden unter dem Leibe wegziehen!«

Max verstand nicht, wie man dies machen könne, während alle andern flugs begriffen. Zum zweiten Male fühlte er sich gedemütigt.