Unverweilt begaben sich alle Arbeiter bis auf etwa zehn, die die Schlange festhalten mußten, zum Rande der Höhle, in der sie mit einem Teile ihres Leibes versenkt war. Entschlossen arbeitete Max hier mit, und Fuskas Befehl: »Zangen gebrauchen!« war für ihn fast überflüssig. Alles schaufelte und grub, und die Kieferzangen, die er zur Aufnahme der süßen, flüssigen Sirupnahrung nicht hatte gebrauchen können, waren prachtvoll passende Werkzeuge. Mit ihnen ließ sich spielend packen, graben, heben und schaufeln. Im Nu war der Rand des Loches, in dem der Wurm steckte, abgebaut; tiefer und weiter gruben die fleißigen Arbeiter, und bald lag der ganze Leib der Schlange freigelegt in einer fast wagrechten Furche, in der das Tier sich mit seinen Borstenfüßen nicht mehr festhalten und die Spannkraft seiner Leibesringe nicht wie bisher ausnutzen konnte. Solange nämlich ein Teil des Wurmes wagrecht auf dem Boden lag und der andere senkrecht in der Höhle steckte, bildete der ganze Körper einen rechtwinkligen Haken und leistete einen fast nicht zu überwältigenden Widerstand. Jetzt hingegen lag der Wurm seiner ganzen Länge nach ausgestreckt in einem schiefen Graben und konnte mit einiger Mühe fortgeschafft werden. Max berechnete nachdenklich, daß das Tier mindestens fünfzehn Zentimeter lang war; im Verhältnis zur Größe einer Ameise war das ungeheuer viel. In Anbetracht seines eigenen Mutes, seiner herrlichen Waffen, die er an seinen Kieferzangen besaß, und der unglaublichen Geschicklichkeit seiner Gefährten kam aber keine Spur von Angst in Max auf. »Das werden wir schon schaffen«, so ging es wiederholt mitten in schwersten Anstrengungen von Mund zu Munde, und es lag nichts Großsprecherisches darin. Nun mußte der lange, schwere Körper nach Hause gezogen werden. Das war eine ganz besonders mühsame Aufgabe. Trotz geschickter Verteilung der Arbeitskräfte am Kopf, in der Mitte und am Ende der Schlange ging es nur langsam vorwärts. Der Wurm sträubte sich nach allen Seiten.
Max half wacker mit.
»Wenn mir früher jemand gesagt hätte, wie stark und mutig Ameisen sind«, dachte er, »ich hätte es nicht geglaubt! Wie oft mag ich achtlos über sie weggeschritten sein, ahnungslos, wie klug und geschäftig sie zu meinen Füßen arbeiteten!«
Leider stieß das Unternehmen doch auf ein unüberwindliches Hindernis. Der Boden war mit Rasen bedeckt, und es ging nicht an, die Beute durch den dichten Wald der Halme und Blätter zu schleppen. Unsicher rutschte man, und haltlos verlor der Körper einen Teil seiner Kraft zum Schieben, Tragen und Stoßen. So kam der Zug zum Stehen. Endlich eine passende Gelegenheit für Max, seine Weisheit aufs neue leuchten zu lassen!
»Nun muß die Schlange eben doch zerschnitten werden«, sagte er so bestimmten Tones, daß es wie ein Befehl klang.
Die eifrige Jugend glaubte schon folgen zu müssen, als Fuska schnell »Halt« gebot.
»Wir können unsere Beute ungeteilt nach Hause bringen«, entschied sie mit Ruhe und Nachdruck.
»Aber wie denn?« rief Max ärgerlich. Galt denn sein Kinderverstand so wenig bei den Ameisen? Es war unausstehlich, wie man ihn mißachtete.
Fuska ordnete in aller Ruhe an, daß eine gewisse Anzahl als Wächter bleiben sollten. »Die andern«, befahl sie, »gehen mit mir. Laßt euch indessen die Zeit nicht lange werden«, wendete sie sich noch freundlich zur befohlenen Wache, »die Arbeit wird lange währen, aber den Wurm bekommen wir ganz nach Hause.«