»Ach«, dachte Max, »bei den Menschen ist das nicht so einfach! Diejenigen Leute, die so viele Zeit, Mühe und Geld anwenden, sich alle Tage toll und voll zu essen, würden sich bedanken, wenn hungrige Leute sie um solche Unterstützung anriefen. Fleißige Ameisen finden also Kameraden, die ihnen das Essen in den Mund stecken, während es genug fleißige Menschen gibt, die manchmal weder Arbeit noch Essen finden, selbst wenn sie mit der Laterne danach suchten! Alle Ameisen haben, so sehe ich, einen unwiderstehlichen Trieb zur Arbeit, was man von den meisten Menschen gewiß nicht behaupten kann!«
Seine Erlebnisse gaben Max einen großen, schönen Begriff von dem weisen, hilfsbereiten, brüderlichen Zusammenleben des Ameisenvolkes, das er als Kind so oberflächlich beachtet hatte. Als er zum ersten Male das Ameisenhaus betrat, hatte er sich mit seinem Verstande den kleinen Insekten hoch überlegen gedünkt. Jetzt aber begriff er, daß die Menschen ihnen kaum etwas voraushatten. Nicht einmal den Honig! Der Zuckersaft, den er verspeist hatte, war ja herrlich!
In einem einzigen Tage hatte er eine neue Welt entdeckt, von der er sich nie hätte träumen lassen.
Leider gibt es aber neben dem Guten auch Schlimmes in jeder Welt.
Das erlebte Max schon am nächsten Morgen, als Fuska zu ihm sprach:
»Heute ist schönes Wetter; da wird die Schule im Freien gehalten. Gehe mit den jungen Ameisen jetzt hinaus.«
Bei diesen Worten verging Max alle Begeisterung. Schlechtgelaunt, verstimmt und ohne Lust schlich er hinaus hinter den andern her. Unter einem großen, schattigen Kürbisblatt hielt man an. Dort stand schon mit ernsten Mienen eine alte, würdevolle Ameise auf einem Kieselsteinchen. Dieses sollte jedenfalls den Tisch des Lehrers bedeuten.
Die Ameislein wisperten und flüsterten sich zu, daß dies die älteste Ameise der Stadt sei, die schon viel von der Welt gesehen und erlebt habe und unendlich viel wisse.
»Meine lieben Ameisen«, so begann der Professor, »es wird euch gut tun, wenn ihr kleinen, vor kurzem geborenen Leute etwas von der Geschichte und der Lebensweise des Ameisenvolkes erfahrt.«