14. Ein feindlicher Angriff.
Nach wenigen Tagen war aus Max eine stattliche Ameise geworden.
Sein Körper war kräftig entwickelt, seine Lehrzeit erfolgreich vollendet. Fuska entließ ihn aus ihrer Pflege und sagte:
»Du hast von mir nichts mehr nötig!«
»Sprich nicht so«, erwiderte Max, »deine Liebe habe ich immer nötig.« – Er wußte jetzt auch, daß man bei den Ameisen alle Leute mit »Du« anspricht, und deshalb ließ er das steife »Sie« fallen. Im täglichen, lustigen Ringkampfe mit seinen Gefährten war Max sehr kräftig geworden und in den Turnstunden – die Ameisen treiben alle gern körperliche Übungen – bekam er immer die erste Note. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn die ganze Ameisenfamilie in ihm einen der tüchtigsten Soldaten sah.
Wenn es galt, gewagte Unternehmungen zu veranstalten oder gefürchtete Wachtposten zu stehen, wurde stets Max dazu gewählt. Max bildete sich etwas darauf ein. Eines Tages fand er ein Hanfkörnlein und machte sich erfinderisch einen Panzer daraus. Er biß oben und unten sowie an jeder Seite ein Loch hinein, höhlte es aus und schlüpfte wie in einen Küraß hinein. Die Vorderbeinchen streckte er zu den Armlöchern heraus, und im Innern des Panzers hielt er das mittlere Beinpaar versteckt.
So sah er, auf den Hinterfüßen stehend, wie ein stolzer Krieger aus. Eine derartige Uniform hatten die Ameisen nie gesehen, zuerst staunten sie ihn an; aber bald schenkten sie der Neuheit keine Beachtung mehr. Gab es doch viel Wichtigeres zu denken.
Ernste Besorgnisse regten sie auf und störten das friedliche Leben des ruhigen, fleißigen Volkes.
Seit einigen Tagen konnte man in der Nähe öfter fremde Ameisen bemerken, die sich sehr verdächtig benahmen und schleunigst die Flucht ergriffen, sobald sie sich beobachtet wußten. Ihr auffallendes Benehmen konnte nichts Gutes bedeuten. Und wirklich, eines heißen Mittags, als alle ermüdet im Mittelraum Kühlung suchten, erscholl plötzlich der Schreckensruf: