»Das ist nicht schwer«, erwiderte sie, »aber so, wie es jetzt ist, kann der Kampf ein Jahr dauern. Keiner wird nachgeben!«

»Das wollen wir sehen!« rief Max. – »Genügen dir zwanzig Leute, um den Feind hier festzuhalten?«

»Das ist mehr als genug!«

»Dann verlaß dich nur auf mich!«

Max befahl zwanzig Ameisen, bei Fuska auszuhalten, und ganz leise, ohne daß der Feind etwas merkte, führte er ein ganzes Regiment rückwärts zu dem Gange, den wir von dem Einbringen des Regenwurmes kennen.

Maxens Plan war eines großen Feldherrn würdig. Er fühlte sich bereits als ein Hindenburg der Ameisen. Am Ausgang des Ganges ließ er seine Schar, es waren etwa hundert Soldaten, lauter auserlesene Mannschaften, Halt machen. Er selbst bestieg einen Hügel, von dem aus man zum Haustor hinsehen konnte. Fuska hatte recht. Dort stand in langen Marschkolonnen das feindliche Heer vor den Toren und drängte den Vordersten nach, die bereits zum Angriffe eingedrungen waren. Max kam zu seiner Truppe zurück und befahl:

»So ruhig wie möglich muß vorgerückt werden! Vorwärts! Marsch!«


15. Max wird General auf dem Schlachtfeld.

Ihr wißt, liebe Kinder, daß es unter den Menschen Faulenzer gibt. Obwohl sie gesund und kräftig genug sind, auch Arbeit genug fänden, geben sie den Menschen vor, krank und elend zu sein, betteln sie an und verdienen sich ihr Brot mit Lüge und Heuchelei. Andere Faulpelze werden frech und stehlen oder rauben dem arbeitsamen Mitbürger, was sie zum Leben brauchen. Bisweilen rotten sie sich zu einer Räuberbande zusammen, holen den fleißigen Landwirten die Früchte vom Felde und von den Bäumen, dringen in die Häuser der Leute ein und rauben den Bauern das Vieh aus dem Stalle, dem Kaufmann das Geld aus der Kasse. Wenn sich jemand den Räubern widersetzen will, werden sie frech, mißhandeln die Guten und schlagen sie tot. So macht die Trägheit aus den Menschen Diebe und Räuber. Ganz ähnliche Verhältnisse findet man auch bei den Insekten. Eine schlimme Diebs- und Räuberbande sind die Roten Ameisen. Wild, roh, zur Arbeit unfähig, haben sie allen ordentlichen Ameisen den Krieg erklärt, sich zu richtigen Räuberhorden vereinigt, greifen ruhige Arbeiterfamilien an, dringen in ihr Haus ein, rauben alles, was sie finden, sogar das Vieh, die Blatt- und Gallenläuse, und tragen alles fort in ihre Höhlen. Ganz unerhört aber ist es, daß sie auch Eier und Larven der Arbeiterameisen wegschleppen. Wißt ihr warum? Sie lassen diese Arbeiter bei sich zu Hause ausschlüpfen und halten sie als Sklaven. Diese als Kinder geraubten Ameisen müssen, wenn sie groß geworden sind, den Räubern alle häuslichen Geschäfte besorgen, ihnen dienen und sie sogar waschen und kämmen. Daher sagt man von den blutroten Raubameisen, sie seien ein gemischtes Volk. Außer der eigenen Sippe findet man bei ihnen eine fremde Art als Sklaven. Die Roten selbst sind Krieger. Als Sklaven suchen sie sich mit Vorliebe die dunklen Rasenameisen, weil diese sehr geschickt und fleißig sind.