Ihr könnt euch vorstellen, mit welch wilder Gier sie vor dem Ameisenstaat standen, in dem Max und Fuska die Verteidigung leiteten. Sie konnten kaum den Augenblick erwarten, in den Bau einzudringen. Dann wollten sie als Sieger die Einwohner vernichten und ihre Habe an sich reißen. Aber urplötzlich ertönte über ihnen das Kriegsgeschrei: »Schlagt sie tot, die Räuber!« Mit seiner ganzen Schar brach Max seitlich in die feindlichen Marschreihen ein. Die Roten, die eine derartige Überrumpelung keineswegs erwartet hatten, stoben auseinander. Vergeblich versuchten sie sich wieder zu sammeln. Max mit seinen Getreuen zögerte nicht, den Feind in zwei Haufen zu trennen; so verhinderte er sie, geordneten Widerstand zu leisten. Wo immer er erschien, brachen Schrecken und Verwirrung los bei den Roten. So vorzüglich gelang der Überfall, daß der Feind an nichts anderes als an Flucht denken konnte.
»Verfolgt die verfluchten Räuber! Schont mir keinen!« so feuerte Max die Seinen an.
Während das siegreiche Regiment die Flüchtigen verfolgte, sprang er selbst rasch zu dem Eingang des Hauses und verdeckte ihn sorgfältig mit einem dürren Blatt, so daß nur eine winzige Öffnung blieb, durch die mit Mühe eine einzelne Ameise sich durchzwingen konnte. Denn die Feinde, die in den Gang eingedrungen waren, befanden sich noch immer drinnen. Sie hatten noch nicht bemerkt, daß ihr draußenstehendes Volk bereits eine schwere Niederlage erlitten hatte, und suchten den Durchbruch zu erkämpfen.
»Diese Schufte«, so überlegte Max, »haben den Eingang und einen Teil unseres Hauses kennen gelernt. Es wäre gefährlich für uns, wenn sie am Leben blieben, denn sie hätten für ein zweites Mal unsern Festungsplan!« Er setzte sich mit seinem ganzen Gewicht auf das vorgeschobene Blatt, belauerte mit gezückten Kieferzangen die kleine Öffnung und schrie mit mächtiger Stimme hinein:
»Hier stehe ich, Fuska, jage die Halunken heraus!«
Im Innern des Ganges entstand sofort eine grenzenlose Verwirrung. Die Roten, entsetzt, eine feindliche Stimme von dorther zu vernehmen, wo sie ihre eigenen Leute zur Rückendeckung glaubten, machten in nie gesehener Eile kehrt und stürzten dem Ausgange zu, verfolgt von Fuska und ihren Tapfern. Geschoben und gedrängt, drückten sie sich am Eingang zu einem Knäuel zusammen, bis sie mit Not und Mühe die winzige Öffnung fanden, die Max für sie offen gelassen hatte. Einer nach dem andern mußten sie sich herausdrücken. Das war es gerade, was Max beabsichtigte. Lauernd stand er schon bereit. Mit offener Zange stürzte er sich auf jede herauskrabbelnde Rote und zwickte ihr ohne Umstände blitzschnell den Kopf ab. Bei dem blutigen Handwerk erfaßte ihn eine berauschte Stimmung. Er kam sich vor wie ein Rasierer, in dessen Stube die Leute auf Behandlung warten, und wie jener rief er jedesmal, wenn ein feindlicher Kopf in den Sand rollte:
»Fertig! Der nächste Herr!« Elf Feinde waren schon auf diese Weise erledigt, und eben schickte er sich an, das Dutzend vollzumachen, da tönte es ihm entgegen:
»Halt, oho, was fällt dir ein!?«