»Freunde!« rief er sie tiefbewegt an, »kennt ihr mich nicht mehr?«
»Da schau!« sagten sie ohne jegliche Gemütsbewegung und hielten ein wenig an, »was und wo arbeitest denn du jetzt?«
»Ach, ich führe das Leben eines Verbannten«, klagte er bitter. »Wie geht es euch? Wohin tragt ihr den Kürbissamen?«
»O du liebe Zeit! In unser Dorf, wo unsere Herren wohnen.«
»Wie? Eure Herren? Und nennt es doch noch euer Dorf?«
»Warum denn nicht? Wir sind ihre Knechte, so wollte es das Schicksal. Wir arbeiten und quälen uns für sie, aber wir dürfen dort wohnen bleiben.«
Max war empört über den Stumpfsinn, mit welchem die Brüder ihre schmähliche Knechtschaft ertrugen. Er mußte sie verachten und rief ihnen nach:
»Schmutzige Sklavenseelen, pfui!«
Dann setzte er seinen Weg fort und dachte nicht im geringsten daran, daß die einzige Ursache ihrer traurigen und unverschuldeten Sklaverei sein ungezügelter, unvernünftiger und herzloser Ehrgeiz gewesen war. Was half es, wenn er auch jetzt gerade von einem guten Gedanken erfüllt war? Er schaute hin und her, als ob er etwas suche. Wenige Schritte vom Ameisenhaus entfernt blieb er lauschend stehen, denn er hörte ein Geräusch, wie wenn ein Hund Knochen zerbisse. Max wandte sich dem Lärm zu und stieß einen Schrei des Entsetzens aus. Vor ihm lagen die traurigen Überreste seiner verstümmelten Mitgefangenen, die, unglücklicher als er, ihr Leben lassen mußten. Die Köpfe vom Rumpfe abgerissen, lagen sie da, und inmitten dieses jammervollen Haufens zerrissener Körper saßen drei Ameisen – es ist entsetzlich zu sagen – beim Mahl. Sie verschlangen mit lustigen Scherzen die Überreste ihrer Schwestern und Brüder.
»Ihr Elenden«, schrie Max, »so fehlt es denn auch unter Ameisen nicht an schändlichen Hyänen und Schakalen!?«