Wirklich gibt es einige Ameisenarten, die so tief gesunken sind, Leichen zu verzehren. Beispiele solcher Schande sind ja zum Glück äußerst selten, aber sie genügen, um den guten Namen des ganzen Volkes zu schänden, den es sich durch seine vielen Vorzüge und Tugenden unter allen Insekten erworben hat.

So tragen die Schlechten, abgesehen von dem Schaden, den sie durch ihre Missetaten den Guten zufügen, sehr oft die schwere Schuld, den unbefleckten Namen einer ganzen Familie, ja selbst des ganzen Landes zu beschmutzen, das diese Schädlinge hervorbrachte. Deshalb tat Max gut daran, auf die drei kannibalischen Schwelger so grimmig loszugehen, daß sie keine Zeit hatten, sich von ihrer Überraschung zu erholen und Widerstand zu leisten. Alle drei fielen unter seinen Streichen.

Nun erst beschaute er genauer die Überreste der tapfern Gefährten. Vor dem schauerlichen Bilde krampfte sich sein Herz zusammen.

Weinend warf er sich inmitten dieser Ärmsten auf die Knie, und in tiefem Schmerze rief er:

»Verzeihung! Verzeihung! Hätte ich doch auf die Mahnungen des Professors gehört! Wäre ich bescheiden und fleißig geblieben wie ihr Teuren! Wieviel Unglück habe ich über euch gebracht! Fuska, liebe Mutter und Lehrerin, auch du bist tot! Wäre es bei den Ameisen üblich, so würde ich dir das schönste Denkmal aufstellen, daß alle Welt es bewundern müßte. Darauf ließe ich mit goldenen Buchstaben die Inschrift setzen:

Fuska.
Seiner guten Ameisenmutter
der entthronte Kaiser
Butziwackel I.«


23. Kaiser Butziwackel findet eine Freundin, die aus einer Eichengalle herausspaziert.

»Und nun was jetzt?«

Das war die Frage, die Max beschäftigte, als er seinen Weg wieder aufnahm, und auf die er vorderhand keine Antwort wußte. Ganz allein, verloren in der weiten Welt, ohne Familie, ohne Freunde! Dies war die traurige Lage des armen Insektleins, das vor wenigen Stunden zum ersten Kaiser der Ameisen erwählt worden war. »Was verschlägt's«, so dachte Max, »auch Napoleon der Erste mußte es erleben, nach St. Helena verbannt zu werden!«