Doch dieser geschichtliche Vergleich war ein magerer Trost für ihn. Während er den Graben, in dem die Sandwespe ihr Nest hatte, von neuem durchquerte, betrachtete er schwermütig das Haus seiner Freundin, das schon verschlossen war, und er flüsterte:
»Ach, ein jeder hat sein Haus! Ich allein finde kein Loch, wo ich die Nacht zubringen könnte!«
Bei diesem Gedankengang kam ihm eine Erinnerung, die ihn mit Trost und frohen Hoffnungen erfüllte.
»Hab' ich denn nicht doch ein Haus? Und in diesem Haus wohnt ja meine Mutter und Onkel Walter. O wenn ich das finden könnte!«
Der Gedanke war gut; jawohl! Aber kaum hatte Max mit ihm zu spielen begonnen, erhob sich auch schon schroff und steil die größte Schwierigkeit, so daß er bitter ausrief:
»Der reinste Wahnsinn! Wie könnte ich armes, kleines Ameislein, für das jeder Grashalm ein Baum, jeder Busch ein Wald, jeder Kiesel ein Felsen, jede Scholle ein Berg ist, wie könnte ich einen Ort finden, den ich nicht sehen kann, von dem ich nicht weiß, in welcher Richtung er liegt!?« – – –
So schlich er entmutigt seines Weges, wohin ihn eben seine müden Beine trugen, und kam dabei am Fuße einer großen Eiche an. »Wenn ich auf ihren Gipfel stiege«, dachte er, »wer weiß, ob ich von dort oben nicht mein Haus entdecken könnte?!«
Mutig kletterte er am Stamme empor. Nur der Gedanke an die Heimat machte ihn zu dieser Anstrengung fähig. Kurz zuvor hatte er sich sehr matt gefühlt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß er seit geraumer Zeit nichts gegessen hatte.
In einiger Höhe hielt er an und schaute ringsumher: Nichts! Er stieg weiter bis ins oberste Gezweige. Ringsumher schaute er nur eine wirre Welt. Jetzt begriff er, daß es mit den Augen einer Ameise unmöglich sei, deutlich in die Ferne zu sehen.