Daß unser Stück auch deshalb Beachtung verdient, als es im Vorwort einige Angaben über die Thätigkeit des Verfassers bringt, wurde schon oben bemerkt. Johannes Strauß hat sein Spiel dem Grafen von Bünau gewidmet. Es ist dies die gleiche Familie, deren bekanntester Sproß, der erste Graf von Bünau, als Gönner Winkelmanns mit Ehren in der Geschichte der deutschen Kunst genannt wird. Von den Herren von Bünau war Strauß zum Diakon in Elsterberg ernannt worden. Dort hat er sein Spiel geschrieben, dort ist dasselbe in Anwesenheit seiner Herrn aufgeführt worden. Nach Neustadt am Schneeberg übersiedelt, nachdem er elf Jahre in Elsterberg geweilt hatte, will Strauß mit der Widmung seinen Dank für die ihm erwiesene Gnade aussprechen. Seine »Bekerung Pauli« ist nur ein ganz bescheidenes Glied in der langen und enggeschlossenen Kette der geistlichen Spiele, trotzdem wert, einmal wieder genannt zu werden. Echt protestantisch, echt deutsch, gehört es einer Zeit an, welche dem Aufblühen der neueren Dichtung zwar nicht unmittelbar vorausging, aber doch auf diese solchen Einfluß hatte, daß auch geringe Ergebnisse nicht übersehen werden dürfen.
LITERARISCHE BESPRECHUNGEN.
SAMMLUNGEN ZUR VOLKS- UND ALTERTUMSKUNDE POMMERNS.
VON DR. OTTO LAUFFER.
Im Jahre 1891 hat die Rubenow-Stiftung der Universität Greifswald die Preisaufgabe gestellt: »es sollen die Geschichtswerke des Thomas Kantzow kritisch untersucht und es soll auf Grund der Untersuchung eine kritische Textausgabe der beiden hochdeutschen Bearbeitungen der pommer’schen Chronik hergestellt werden.« Dadurch wurde die wissenschaftliche Forschung wieder energischer auf das Lebenswerk des Thomas Kantzow gelenkt, der in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts in Stralsund geboren ist, in Rostock studierte, seit 1528 Sekretär bei den Herzögen von Pommern war, später, um seine historischen Studien zu vertiefen, noch etwa vier Jahre in Wittenberg studierte und auf der Heimreise am 25. September 1542 zu Stettin im evangelischen Glauben gestorben ist.
Professor Georg Gaebel zu Stettin erhielt den ausgeschriebenen Preis und beförderte die erste und die letzte hochdeutsche Bearbeitung der Chronik nebst den kritischen Untersuchungen zum Druck[174]. Die Verdienste dieser Ausgabe um die Geschichtswissenschaft hervorzuheben, liegt an dieser Stelle kein Grund vor. Dagegen bietet sie uns eine willkommene Gelegenheit, auf das reiche Material hinzuweisen, welches Kantzow für deutsche Volks- und Altertumskunde liefert, Studien, denen er mit einer für seine Zeit merkwürdig klaren und sicheren Auffassung nachgegangen ist. Ihnen hat er ein ganzes, das 14. Buch seiner Chronik gewidmet, deren erster Satz sehr charakteristisch ist: »Nachdem wyr nhu von den Geschichten der Pommern gesagt, ists auch nicht undienstlich von itziger irer Gelegenheit, Sitten und Wesende etwas anzuzeigen, damit man die Historie desterbesser vernheme, und auch deshalben, nachdem sich offte der Volcker Art und Sitten verendern, das men zukumftig diesser itzigen Gelegenheit und Art eine Wissenschaft habe.«
Dieses vierzehnte Buch nun ist leider zum größten Teile verloren. Daß wenigstens sein Inhalt, zum Teile wohl mit reichlichen Ergänzungen und Erweiterungen, auf uns gekommen ist, verdanken wir einem nicht viel späteren ungenannten Geschichtsschreiber, der Kantzows Chronik überarbeitet und mannigfach erweitert hat, dem Verfasser der sogen. »Pommeriana«[175]. Dieses Verhältnis bietet den Grund dafür, daß ich im folgenden eine systematische Zusammenstellung der für die pommerische Volks- und Altertumskunde wichtigen Angaben Kantzows zusammen mit den ergänzenden Stellen der Pommeriana darbiete, denn es ist kein Zweifel und Gaebels Ausgabe verdient es, daß man künftig fast immer eben diese Ausgabe benutzen wird. Für die historische Volkskunde hat aber daneben auch die Pommeriana ihren selbständigen Wert, weil gerade dort sich viel wichtiges Material findet.