Die folgende Zusammenstellung an sich zu rechtfertigen, dürfte wohl kaum ein Grund vorliegen, denn jeder, der sich mit altertumskundlichen Studien befaßt hat, weiß, wie wichtig oft solche einzelne Fundstücke sind, und wie schmerzlich man heute derartige Fundgruben, wie ich hier eine zu erschließen versuche, missen muß. Durch die Randbemerkungen und zahlreiche Überweisungen hoffe ich die schnelle Benützung zu ermöglichen.

Zugleich möchte ich durch diese Zusammenstellung nochmals ausdrücklich darauf aufmerksam machen, welch reiches Material für Volks- und Altertumskunde in den Schriften der Historiographien seit dem 16. Jahrhundert meist unbenutzt verborgen liegt. Nur durch solche Auszüge, die freilich das Resultat einer sehr entsagungsvollen Arbeit sind, kann es in absehbarer Zeit nutzbar gemacht werden. Daß ich nachher das Zurückgehen auf die Quellen selbst für überflüssig hielte, wird mir niemand zutrauen: jede Zeit wird, das weiß ich sehr wohl, bei dem steten Wechsel der wissenschaftlichen Anschauungen und Bestrebungen für ihre neuen Zwecke auch das neue Material aus den Quellen selbst zu nehmen haben. Wirklich erschöpfend können daher weder die folgenden noch alle ähnlichen Auszüge jemals genannt werden. Was mir aber für volks- und damit auch für altertumskundliche Zwecke wichtig erschien, stelle ich im folgenden zusammen, indem ich die Schreibweise meiner Quellen beibehalte, die ich mit K. = Kantzow und P. = Pommeriana nach den oben genannten Ausgaben von Gaebel (Bd. I. Letzte Bearbeitung) und Kosegarten zitiere.


Land und Leute.

1) K., 5. Polen..., das ist wendisch und heisset auff Teutzsch ein eben Land, gleich als wolt man sagen »auff der Ebene« in Ansehung des Lands Boemen, das im Gebirge leit. Und die Lande, so an der Sehe ligen, wurden Pomern genennet, das ist das Land, das am Mehre ligt. Dan pomorsi auff Wendisch heisset so viel als beym Mehre, wie man itzt die Stette, so an der Ostsehe ligen, Ansehe-Stette auff Teutzsch nennet, das ist: Stette, die an der Sehe ligen.

2) K., 3. Cassuben aber ist ein Teil von Pomern und seint die Wende gewest, die nicht gar am Mehre, sonder landwerts eingewohnet haben, welche widder gewonheit der anderen Wende weite gefaltzte Kleider trugen. Dan Cassubietz, heißt gefaltzte Kleider; und seint die gewest, dar itzt das Bischtumb zu Camin, der Heitort in Pomern und die Newemarcke ist; ire Sprach aber, die etwas Unterscheids mit dem andern Wendischen hat, ist nur allein in Pommern im Heitorte geplieben.

3) K., 3. Itzund noch ein gantzer Ort in Hinterpomern ist, da nur eitel Wende wohnen... Ytzund der Wenden Nhame und Geschlecht bey uns so verachtet ist, das man einen zum Schimpffe einen Wend oder Slafen (welchs ein Dinck ist) nennet.

4) K., 5. Keine Wende seint, die die Slafonier, so hinter Hungern sitzen, besser verstehen vnd mit inen reden khonnen, wan die pomerischen Wende, welchs noch hewtigs Tags glawbwirdige Leute bey uns Zewge seint.

5) P. II, 411. Die Pomern seint durchaus große wohlerwachßene, starcke lewte, vnd menlichs gemuts, doch seint sie traͤges zornes; darvmb treiben sie nicht leichtlich krieg vnd werden ehe bekrieget, den das sie es anfahen solten. Sie seint aber zu kriege beide zun waßer vnd lande geruͤstet vnd geschickt, vnd wen es jnen vonnoͤtten thut, sich der feinde zu erweren, seint sie vnerschrocken vnd hefftig; aber so balde der erste grim vber ist, seint sie wol widder zu stillen.

6) K., 415. Es ist das Folck mer guthertzigk wan freuntlich, mehe simpel dan klug, nicht sonders wacker oder frolich, sonder etwes ernst und schwermutig. Sunst aber ists ein auffgericht, trewe verschwigen Folck, das die Lugen und Schmeichelwort hasset; pittet sich untereinander gern zu Gaste und gehet widderum zu Gaste und thut eim nach seiner Art und Vermügen gern gutlich.