Anfang: Mein Gott ich will dich preisen und loben alle Tag.
Nürnberg.
Dr. Frommann.
Zur Aufklärung eines „Curiosum“.
Erst jetzt kommt mir die Nr. 12 des Anzeigers vom J. 1867 zur Hand; daselbst hat Hr. Prälat Dr. Stülz in dem Artikel „Ein Curiosum“ (Sp. 373 ff.) den Widerspruch in den Berichten über den Geburtsort des berühmten Ministers und Annalisten Franz Christoph Khevenhüller zur Sprache gebracht. Ob Villach? — ob Klagenfurt? — das ist die Frage. Hr. Dr. Stülz hält auf Grund eines Manuscriptes in der Bibliothek von St. Florian in Oberösterreich die Angabe Moshammer’s, des Verfassers jenes Manuscriptes, für eben so echt, wie die in meinem Werke: „Die Khevenhüller“ (Wien, 1867) verzeichnete Notiz, welche von dem Vater des Franz Christoph, dem zweiten Grafen von Frankenburg, Barthelmä Khevenhüller, herrührt und autograph ist. Hr. Dr. Stülz fügt dann bei: „Es liegen hier zwei durchaus authentische, unanfechtbare Berichte vor... Beide zugleich können nicht der Wahrheit entsprechen. Wer sich aber geirrt habe, ob der Vater oder der Sohn, läßt sich vorderhand kaum entscheiden.“
Nach aufmerksamer Durchlesung des genannten Artikels und nach nochmaliger genauer Vergleichung der Arbeit des Hrn. Dr. Stülz (im Archiv für Kunde österr. Gesch.-Quellen. 1850. I, 3. u. 4. Hft.) mit den einschlägigen Partieen meines Buches zweifle ich nicht einen Augenblick, daß sich weder „der Vater noch der Sohn“, sondern einzig und allein Moshammer geirrt hat. Ich erlaube mir, das zu begründen.
Die Notizen, denen ich die Nachricht über Franz Christoph’s Geburtsort (Klagenfurt) entnahm, sind durchaus von Barthelmä Khevenhüller’s eigener Hand geschrieben; die Schrift ist vollkommen gut erhalten und durch keine Correctur verunstaltet. Ich habe mich hundert und hundertmal überzeugt, daß Barthelmä mit der allergrößten Genauigkeit Alles aufzeichnete, was sein Haus und Familie betraf. Er kann sich in Bezug auf den fraglichen Punkt nicht geirrt haben.
Franz Christoph, wenn er die Aufzeichnungen in dem erwähnten Manuscript selbst geführt hätte, würde kaum Villach als seinen Geburtsort angegeben haben. Dass der Name „Villach“ aber dennoch stehen blieb, läßt sich nur aus einem Uebersehen Franz Christoph’s erklären. Seine Liebhaberei war die Geschichte; als er den Codex durchsah, scheint er sein Augenmerk jedenfalls mehr auf den historischen Stoff, den er später in seine Annalen aufnahm, ja oft wörtlich abdrucken ließ, gerichtet zu haben, als auf die Angabe seines Geburtsortes. Dazu ist es bekannt, wie in einem Manuscript gar manchmal eine Correctur vergessen wird, obschon man sich vornahm, dieselbe anzubringen. Es fragt sich auch, ob der ganze Codex von Franz Christoph einer Correctur unterzogen wurde. Hr. Dr. Stülz könnte jedenfalls darüber Aufschluß geben.