Entdecker dieser merkwürdigen Urbauten ist Freiherr Cl. von Schauroth; ihm verdanken wir, daß in den, keineswegs zu wissenschaftlichen Zwecken veranstalteten, Ausgrabungen die Ergebnisse der Wissenschaft zu Nutze gekommen sind. Ein Theil der Funde ist in seiner Sammlung zu Rudolstadt aufbewahrt, ein Theil in das german. Museum zu Nürnberg gelangt.

Bei einem jüngst am genannten Platze abgestatteten Besuche wurden noch zwei andere Oertlichkeiten in Augenschein genommen, die, obwohl schon bekannt, doch von nicht geringerem Interesse sind und worauf deshalb ebenfalls hingewiesen werden mag. Am rechten Ufer der Saale, etwa eine halbe Stunde oberhalb Rudolstadts, liegt auf einer Höhe die durch ihren Namen als ehemalige sorbische Colonie sich ankündigende Ortschaft Preilip und in unmittelbarer Nähe ein schroff vom Ufer des Flusses aufsteigender Hügel, der als äußerster Vorsprung dieses Höhenzuges zugleich eine weite Aussicht in das unten liegende Thal gestattet. Im Munde des Volkes heißt derselbe der heilige Hügel: „hillige Higgel“, und kündigt sich dadurch, da die Bezeichnung ohne Zweifel auf ältester Ueberlieferung beruht, als Punkt an, der irgend einmal von besonderer Bedeutung gewesen. Auf dem Gipfel, wo auch der natürliche Felsen durchbricht, befinden sich aufgeworfene Steinwälle, und daselbst gefundene Steinhämmer von sehr primitiver Form bekunden, welcher Epoche diese Bauten angehören. Man hat die Oertlichkeit für einen Opferplatz erklärt, was die alte Benennung allerdings zu rechtfertigen scheint. Doch bieten die Umwallungen ein Ansehen, das eher auf einen Befestigungsbau schließen ließe. Die Steine sind hoch und mauerartig gethürmt, ihre Reihen verschlungen, so daß es von Interesse wäre, den Grundplan der ganzen Anlage aufzunehmen. Besonders auffallend sind mehrere aneinander gereihte Nischen in den Mauern, welche, mit der Innenwand an den Felsen gelehnt, durch Vorsprünge der letzteren erweitert, ganz das Ansehen ehemaliger Wohnungen gewähren und ihrer Größe nach nothdürftigen Raum dafür geboten haben würden. Für den Fall, daß wir es hier wirklich mit einer befestigten Ansiedelung oder einem alten Standlager zu thun haben, ist zu bemerken, daß der Berg zwar niemals eine Quelle enthalten zu haben scheint, aber bei seinem schroffen Absinken zum Flusse denen, welche den Gipfel desselben inne hatten, der Zugang zum Wasser immer ungefährdet offen stand. Die aufgefundenen Steinhämmer scheinen unter den umherliegenden Flußkieseln aufgelesen, wie diese passende Formen und geeignetes Material boten. Sie sind sehr wenig bearbeitet, die Bohrlöcher ungewöhnlich eng, etwa 1,2 Centim. im Durchmesser haltend. Bei einem derselben bemerkt man, wie der Bohrer von zwei Seiten angesetzt ist, die Oeffnungen jedoch nicht genau auf einander trafen. Bei einem andern zeigen sich kreisförmige Eindrücke in ziemlicher Entfernung vom Hauptloche, welche darauf hindeuten, daß das Instrument, mit welchem gebohrt wurde, nicht so einfach war, als man sonst anzunehmen geneigt sein möchte. Auch dickwandige Urnenscherben und Spuren von Asche sind an dem Orte gefunden. Die Volkssage knüpft daran eine Legende vom heil. Antonius.

Eine nicht weniger merkwürdige Anlage bietet der weit höher gelegene Gipfel des Berges Gleitsch, oberhalb des Schlosses Obersitz unweit Saalfeld. Die hier befindliche Umwallung, sowie daselbst gemachte Funde hat schon W. Adler in seiner Schrift: „Die Grabhügel, Ustrinen und Opferplätze der Heiden im Orlagau u. s. w. Saalfeld, 1837,“ beschrieben, doch gerade die interessanteste Seite dieses Denkmals der Urzeit nicht bemerkt. Wir haben es hier nämlich mit einem der seltener vorkommenden Schlackenwälle zu thun. Obwohl die innerhalb der Umhegung angelegten Ackerfelder vieles zerstört haben, sind doch noch einzelne Theile des alten Steinkranzes unversehrt genug geblieben, um erkennen zu lassen, daß die Außenseiten desselben einst systematisch einem sehr starken Brande ausgesetzt gewesen. Auch an den zerstörten Stellen des Walles finden sich Steine, an welchen die Spuren des Feuers ersichtlich, in großer Zahl. Manche derselben sind ganz verglast oder in Schlacken verwandelt. Unter den Steinen tritt schwarze Erde, die mit Asche und Ruß gemischt erscheint, zu Tage. Bei früheren Ausgrabungen hat man hier Geräthe von Stein, Thon und Bronze gefunden, in unmittelbarer Nähe auch Grabstätten aufgedeckt. Gegenwärtig liegen Scherben noch in großer Menge umher, unter welchen wir auch das Bruchstück eines verzierten Gefäßes fanden, deren man früher noch nicht wahrgenommen.

Nürnberg.

Dr. A. v. Eye.


Die Ausstellung des internationalen archäologischen Congresses zu Bonn.

(Fortsetzung.)

Eine zweite Reihe von Gegenständen, die einen wichtigen Kunstzweig repräsentierten, stellte sich in einer Anzahl Elfenbeinschnitzwerke dar. Manche Einzelgegenstände, so besonders einige Büchereinbände, die sich als interessante Belege für die Entwickelung des Emails gezeigt hatten, treten auch hier wieder als wichtig auf, da die frühere Periode der mittelalterlichen Kunst die Verbindung des Emailschmuckes und Elfenbeines zur Erreichung eines würdigen monumentalen Eindruckes häufig benützte. Die hervorragendsten Gegenstände auf diesem Gebiete waren unstreitig jene, die noch direkte Anknüpfungspunkte an die Antike boten. Wir nennen hier zuerst eine Reihenfolge von zehn Hostienbüchsen aus früher Zeit, die theilweise noch mit antiken Darstellungen bedeckt sind; so die aus dem Dome zu Xanten, welche die Darstellung des Ulysses zeigt, der den auf der Insel Scyros in Weiberkleidung versteckten Achilles aufsucht und wegführt; eine andere mit einer Darstellung aus dem Leben Joseph’s, wobei das Land Aegypten und der Nil personificiert in antiker Weise erscheinen (Museum zu Wiesbaden); ebenso eine sehr hübsche Darstellung der Geburt Christi und Anbetung der Hirten, wobei Joseph und Maria neben der Krippe sitzen, während die mittelalterliche Kunst bis in’s 15. Jahrhundert die heil. Jungfrau bei dieser Scene liegend darstellt. Ein Gehänge zu solchen Pyxen, mit Rollen, aus dem Dome zu Mastricht bot eine wichtige Ergänzung. Eine Anzahl von einzelnen und paarweise zusammengehörigen Elfenbeintäfelchen aus der romanischen Kunstperiode gab für die Ikonographie einerseits, wie für die formale Entwickelung der Sculptur interessante Anhaltspunkte. Besonders beachtenswerth war die Nebeneinanderstellung einer Reihe von Scenen der Kreuzigung, darunter das merkwürdige Relief am Deckel des Echternacher Evangelienbuchs in der Bibliothek zu Gotha. Hier fanden sich auch als Belege für andere Verwendungen des Elfenbeins das Blashorn Karl’s d. Gr. aus dem Domschatze zu Aachen und ebendaher das kostbare Weihkesselchen, mit Gold und Edelsteinen besetzt; endlich eine Reihe jener reichgeschnitzten Bischofskämme: der sog. Mutter-Gottes-Kamm aus dem Kloster Laach (Besitz des Herrn Prof. aus’m Weerth in Bonn), der Kamm des heil. Benno aus Iburg bei Osnabrück, der kostbare mit Gold und Edelsteinen besetzte Kamm aus Quedlinburg und die zwei Kämme aus dem städtischen Museum zu Köln. Durch eine Reihe von Täfelchen, runden und Schachfiguren u. s. w. war die so fruchtbare Periode des 14. Jahrhunderts trefflich vertreten.

Von Krystallarbeiten des 10. Jahrhunderts waren drei merkwürdige Stücke aus Quedlinburg ausgestellt; ebenso von der frühromanischen Lederplastik eine interessante Messerscheide aus dem Dome zu Aachen, bei der das Ornament theils plastisch hoch herausgetrieben, theils mit scharfen Instrumenten geschnitten ist.