Fig. 12.
Fig. 13.
Das Handwerk, welches diese Fliesen zu liefern hatte, ist jedoch ein ziemlich ordinäres. Die kleinen Thiergestalten, theilweise unvollkommen, theilweise, um sie eben sichtbar zu machen, nur mit rohen Linien angedeutet, konnten die Ebene des Fußbodens nur unruhig machen, keineswegs aber sie schmücken. Es bedurfte zu diesem Zwecke einer einfacheren, größeren Zeichnung, und man kam somit darauf, die einzelnen Fliesen so zu ornamentieren, daß mehrere zusammen ein größeres Muster darstellten. Auch hier war wieder eine compliciertere Anordnung nur selten. In der Regel haben alle einzelnen Plättchen das gleiche Ornament, und aus der mehrfachen Zusammensetzung der einzelnen Plättchen entsteht durch die Multiplication das größere Ornament. Die Anordnung mußte so getroffen werden, daß sodann die Conturlinien der einzelnen Plättchen das Ornament nicht störend durchschnitten.
Um den starren geraden Linien der Plättchenquadrate einen angemessenen Gegensatz zu geben, spielt gerade der Kreis eine Hauptrolle in diesen Multiplicationsornamenten. So findet sich eine ganze Reihe, bei denen der Viertelkreis, aus dem einen Ecke des Plättchens als Mittelpunkt beschrieben, eine Quadratseite als Radius hat, so daß je vier aneinander stoßende Plättchen einen gemeinsam geschlossenen Kreis zeigen, in welchem das Ornament eingeschlossen liegt, wobei das freibleibende Dreieck entweder durch einen den Kreis überschreitenden Ornamenttheil eingenommen ist, oder wieder je vier aneinander stoßende solche Dreiecke ein gemeinsames Ornament bilden. Der Kreis besteht selten blos aus einer einzigen Linie, sondern meist aus einem breiten Bande, das zwischen zwei Kreislinien eingeschlossen ist. ([Fig. 1.] [2.] [3.] [4.] [5.])
Oft sind, wie in [Fig. 1.] [2.] [3.] die Conturlinien der Plättchen geradezu in das Ornament hereingezogen, so daß sich kreuzende Bänder die kreisförmigen durchschneiden. Das Bild des ganzen Ornaments entwickelt sich oft überraschend aus der Zusammenstellung. Es ist nicht möglich, jedes einzelne Muster zusammengestellt hier zu geben; wir haben jedoch [unter A auf beiliegender Tafel] die [Fig. 5] in der Zusammensetzung vor Augen geführt. Bei einer andern Reihe von Mustern ist der Kreis kleiner und hat nur etwa die Hälfte einer Quadratseite zum Radius ([Fig. 6]); wieder andere haben eine Reihe von concentrischen Kreisen ([Fig. 7] u. [8]). Man kann hierher auch [Fig. 4] rechnen. Bei der Composition dieser Muster ist die größte Aufmerksamkeit nöthig. Die [Fig. 8], schon der Renaissance angehörig, sieht sehr unscheinbar aus, während sie in der Zusammenstellung [bei B unserer Tafel] sehr befriedigt, dagegen z. B. [Fig. 4.] in der Zusammenstellung ziemlich unbefriedigend aussieht.
Fig. 14.
Fig. 15.