Maria mater gratie mater misercordie tu es spes solamen desolat.... anno domini MCCCCCXXV.

Endlich sei auch noch der Glocke zu Wichmannsburg (im Lüneburgischen) gedacht, welche vom Jahre 1512 den Spruch zeigt:[83]

Maria eyn moder der barmharticheyt byn ick gheheten, etc.

Fragen wir nun, woher stammt denn die oben mitgetheilte Strophe, so findet sich die Antwort darauf bei Morel: „Lateinische Hymnen des Mittelalters.“ Dort wird auf S. 81 unter Nr. 131 ein „Hymnus in S. Mariae praesentatione“ aufgeführt, und zwar als „hymnus in matutinum“, beginnend:

Maria verbi famula

fit nobile triclinium . . .

Die vierte Strophe dieses Hymnus wird nun aus der uns beschäftigenden Glockeninschrift gebildet. Als Quelle für diesen Hymnus, dessen Verfasser unbekannt ist, führt Morel das „Breviarium secundum usum Gallicanum (Venetiis 1627. 12.)“ an. Daß schon 1498 jener Hymnus bekannt und beliebt war, zeigt die obenerwähnte Glocke zu Oesede.

Aber nicht nur in den Diöcesen Osnabrück und Minden erfreute sich jener Hymnus und speciell diese Strophe mit dem Anrufe der Maria großer Verbreitung und Beliebtheit, sondern wir begegnen derselben gleichzeitig auch in von dort sehr entfernten Orten. In den „Mittheilungen“ der Wiener Central-Commission etc. sind neuerdings[84] unter der Rubrik „Zinngußwerke in Böhmen“ verschiedene Taufbecken aus Zinn besprochen, von denen das zu Nezamyslic bei Schüttenhofen zwei Inschriften zeigt, deren obere lauten soll:

maria mater gratie mater misericordie....

„die untere ist jedoch nicht mehr ganz zu entziffern.“