Wir broder Frederich apt zu Sente Marienstat, prior und gantz gemeyn convent da selbs doin kunt und bekennen vur uns unde unse nakomen in diesem unserm brieffe, so wie das uns der edell und waillgeboren herre herre Gerhart grave zu Seyne etc. unser gnediger lieber herre van sunderlicher groiszer gnaiden und gunst syne gnaide zu unserm gotzhusze vorgenant und uns hait gutwillentclichen gegeben in unser gotzhusze hant reichen hait laissen vor datum disz brieffs, myt namen hundert und echt und zwentziich latynscher bucher uff pergamene geschreben der hilliger schriifft, die dan van namen zu namen gliich na dyssem brieffe geschreben staynt, wie igliichs heyst. bekennen die also van syner gnaiden entphangen und in unserm gotzhusze haben, geredden und geloben alsz dar umbe wir apt prior unde gantz convent obgenant by unserm orden unde professie vor uns und unse nakomen der vorgenanten bucher keyns noch zu maile zu verkeufen zu versetzen zu veruseren ader[113] bussent[114] unse cloister zu verliihen, sunder die in unserm cloister erffliich[115] ewencliich unde ummerme unverdeylt zu behalden und uns der dar inne gode dem almechtigen zu lobe unde eren zu gebruchen. Were aber sache, das eynich unser gnediger lieber herren graven zu Seyne, so dan zu yeder ziit ist, so geleirt were und der vorgenanten bucher eyns ader me begern und behuben[116] were, sall man yme dye altziit zu syme gesynnen[117] lehenen, doch also und in der gestalt, daß alle ziit, so he des gebrucht hait, wieder umbe in das genante unse cloister zu lieberen[118] und neyt hynder sich zu behalden, das eyn grave van Seyne dan ouch also wieder doin sall sunder insage. und des zu urkunde und getzuge der wairheit, uff das disz also veste stede und unverbruchlichen gehalden werde, so haben wir broider Frederich apt vorgenant unser aptygen syegel an dyesen brieff gehangen, und wir prior unde convent obgenant unser gemein conventz syegell auch an diesen brieff gehangen, der gegeben ist in den jaren unsers herren mocccco und nuntzich uff maendach na dem sondage „cantate.“ (1490, Mai 10).

(Original auf Pergament, Siegel des Abtes und des Konvents.)

Idstein.

Dr. Joachim.


Verzeichnis der Manuscripte:


Die Regenbogenschüsselchen in Niederösterreich.

Die sogenannten Regenbogenschüsselchen, welche man lateinisch Sperma Solis aut Iridis nannte, sind bekanntlich convexconcave keltische Münzen von Gold oder Electrum (d. i. eine Legierung aus Gold und Silber) und zeigen gewöhnlich auf einer Seite eine dreitheilige Figur oder einen Vogelkopf, auf der andern einen offenen Ring und verschiedene Punkte. Ihre Benennung stammt nach einigen von der regenbogenförmigen Figur des Gepräges, nach andern vor der Sage, daß Engel die Regenbogen mit kleinen Goldschüsseln stützen, damit sie nicht den Boden berühren, und sie dann liegen lassen, oder von dem Glauben, daß man sie dort finde, wo der Regenbogen die Erde berührt hatte (S. Sacken, Leitf. zur Kunde des heidn. Alterth. 114; vgl. Streber, über die „Regenbogenschüsselchen“ I-II, und meine Abhandlung: „Die Regenbogenschüsselchen“ in der „Wiener Abendpost,“ 1879, N. 106). Nach L. Bechstein, (Mythe, Sage, Märe und Fabel I, 87) kann der erwähnte Glaube jedoch kaum früher entstanden sein, als bis solche Schüsselchen wirklich gefunden wurden, und schon deshalb dürften die folgenden kleinen Mittheilungen aus Niederösterreich — wo meines Wissens bisher noch keine Funde solcher Münzen bekannt geworden sind — von Interesse sein.