57) Fund eines Germanengrabes bei Düsseldorf. Als man kürzlich auf dem Grundstücke des Herrn Inspektors Remkus in Kleineller, in der Nähe einer wasserreichen Niederung und nicht weit von der Fundstelle der hübschen terra sigillata-Schüsseln entfernt, ein Sandlager abtrug, stieß man auf das Grab eines Germanen. Es bestand aus einer einfachen Grube in der eine Thonvase beigesetzt, welche außer halbverbrannten Menschenknochen eine Gewandspange aus Erz und ein Klümpchen zusammengeschmolzenes Metall barg. Die Vase von 13½ Ctm. Höhe und 18 Ctm. Durchmesser ist mit Zuhilfenahme der Töpferscheibe aus unserem gewöhnlichen blauen Thon, dem zur größeren Festigkeit fein gestampftes Gestein beigemengt ist, gebildet. Die Gestalt erinnert an die napfartigen römischen Schüsseln mit hohem Fuße.

(Düsseldorfer Anzeiger, Nr. 110.)

58) Augsburg, 25. April. Während der größte Theil der Aschenurnen des hiesigen Museums dem Gräberfeld entnommen ist, das sich zwischen dem von Wohnlich’schen Gartengut und dem Theil des Rosenauberges hinzog, auf dem jetzt die Hauptgebäude des Bahnhofes stehen, haben neuere Ausgrabungen gezeigt, daß auch auf der Nordseite der alten Stadt ähnliche Reihen von Graburnen sich vorfinden. In dem Anwesen des Brauereitechnikers Madlener (Eisenhammerstraße J 32 4/a), der vor. Sommer in seinem Garten eine Sandgrube öffnen ließ, wurden nach und nach gegen 20 Urnen ausgegraben, die anfangs leider nicht gehörig beachtet wurden, weswegen auch nur einige Bruchstücke derselben zu Tage kamen; später, da dieselben in einer gewißen Regelmäßigkeit sich vorfanden, wurde mit größerer Vorsicht vorgegangen, daß nun wenigstens vier ziemlich unversehrt zu Tage gefördert wurden. In denselben fand sich unter anderen ein vortrefflich erhaltenes Grablämpchen mit dem Stempel ATIMET, ganz so wie das in M. Mezger „Die römischen Steindenkmäler im Maximiliansmuseum zu Augsburg“ 1862, S. 63 beschriebene, sowie eine ziemlich von Rost zerstörte Münze von Augustus; dieselbe zeigt auf dem Avers: divus Augustus pater, dessen Haupt mit der Zackenkrone; Revers: ein Altar, zu den Seiten SC., unter demselben: PROVIDENT.

(Augsb. Postztg. Nr. 100, nach der Allg. Ztg.)

59) Worms, 26. April. In der Nähe des Gymnasiums kamen beim Ausgraben für das Fundament eines Neubaues fränkische Gräber zum Vorschein. Nachdem schon vor einigen Wochen mehrere aufgedeckt worden waren, wobei eine fränkische Lanze, ein Hiebmesser (Scramasax), 2 kleine Messer, eine Gürtelschnalle aus Bronze, Perlen, Gefäße etc. gewonnen wurden, schritt man gestern ebenfalls zur Eröffnung eines solchen. Es barg die Gebeine einer alten fränkischen Frau. Es fanden sich ferner die charakteristischen Attribute der Frau: eine Anzahl Perlen, ein Fingerring, eine Spindel, der Rest einer größeren Gürtelschnalle von Eisen, ein fränkischer Krug in Scherben und eine Messerklinge. Werthvollere Schmucksachen, wie sie in den Gräbern bei Wies-Oppenheim gefunden wurden, waren nicht vorhanden.

(Wormser Ztg., Nr. 98).

60) In der Nähe von Randers in Jütland ist in der letzten Aprilwoche ein interessanter, aus dem Beginn der Eisenzeit stammender Fund gemacht worden. Beim Pflügen auf einer kleinen Höhe stieß man nämlich auf ein Hünengrab. Der hiervon benachrichtigte historische Verein in Randers ließ nun eine Ausgrabung vornehmen, unterbrach jedoch die Arbeit, als rund um die Höhe eine Menge Urnen und in derselben, wie es schien, ein mit Eisen beschlagener Sarg angetroffen wurden. Auf telegraphische Mittheilung von dem Funde wurden seitens des hiesigen altnordischen Museums sogleich die Professoren Engelhardt und M. Petersen dorthin gesandt, um die weitere Untersuchung zu leiten. Es zeigte sich nun, daß die in dem Grabe beigesetzte Leiche in einem eichenen, mit starken eisernen Reifen beschlagenen Sarge gelegen hatte. Von der Leiche war keine Spur mehr übrig und von dem Sarge nur noch einige Stückchen, während das Eisen, wenn auch stark verrostet, noch so gut erhalten war, daß man danach die Höhe und Breite des Sarges berechnen konnte. In letzterem war augenscheinlich ein weiblicher Leichnam in prachtvoller Ausstattung beigesetzt worden. Außer einer Menge Schmuckgegenstände wurden eine Nähnadel, eine Scheere und ein kleiner Schleifstein gefunden, ferner Ueberreste von einer Art Pelz, der reich mit Perlen besetzt gewesen und von denen mehrere in Gold gefaßt waren. Einige stark oxydierte Münzen werden nach der Reinigung Auskunft darüber geben, aus welcher Zeit der Fund stammt. Eine sofort vorgenommene Untersuchung der Umgebung dieses Grabes ergab nach der „Voss. Ztg.“ die Thatsache, daß man es hier mit einem schon seit dem Steinalter benützten Begräbnißplatze zu thun habe; es soll in Folge dessen in diesem Sommer eine systematische Aufdeckung desselben vorgenommen werden.

(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 219.)

61) Die Bloßlegung jener interessanten Theile der Burg Heinrichs des Löwen zu Braunschweig scheint nicht die Folge zu haben, daß die Reste in der einzigen Art, wie sie dauernd erhalten werden können, der Nachwelt aufbewahrt werden sollen, nämlich durch Restauration und Wiederaufbau, insbesondere durch Schutz mittelst eines Daches. Die deutsche Bauzeitung schreibt darüber in ihrer Nummer 37: „Nach der Mittheilung in Nr. 25 u. Bl. hat es sich vollkommen bestätigt, daß die sog. Burgkaserne in Braunschweig „der Saalbau Dankwarderodes, des von Heinrich dem Löwen erbauten Palatiums“ ist. Es schien uns nach jener Bestätigung die Erhaltung dieses höchst werthvollen Profanbaues des 12. Jahrhunderts nicht mehr zweifelhaft zu sein, und doch haben neuerdings erstaunliche Vorfälle in Braunschweig gelehrt, daß an maßgebender Stelle daselbst sich Gelüste zeigen, nicht eine ruhige, bereits angeordnete Untersuchung des Saalbaues abzuwarten, um sich danach über die Art der Wiederherstellung entschließen zu können, sondern dem von den städtischen Kollegien einmal gefaßten Beschlusse nachzugehen, und das in sich starke Gebäude mit einer Ostwand, in welcher sich, ähnlich wie in Goslar, Gelnhausen, Wimpfen und an der Wartburg, Fensterarkaturen zeigen, zu einer kleinen, von Akazienbäumchen und Syringen umgebenen Ruine umzugestalten.