12) Zur Geschichte des bürgerlichen Lebens und der öffentlichen Gesundheitspflege, sowie insbesondere der Sanitäts-Anstalten in Süddeutschland. Ein Beitrag zur Geschichte der Cultur und Medizin von Dr. G. Lammert, Mr. F. D. H., k. Bezirksarzt in Stadtamhof. Regensburg (Wunderling) 1880. 8. (2) 300. S.

Der Verfasser der vorliegenden Schrift ist dem ärztlichen Publikum und den Freunden der vaterländischen Geschichte durch mehrere werthvolle Arbeiten auf dem Gebiete, welchem auch das gegenwärtige Werk angehört, vortheilhaft bekannt. Dasselbe beruht gleich den früheren auf sorgfältigem Studium gedruckter und handschriftlicher Quellen und wird für jeden späteren Forscher auf dem von dem Verfasser bearbeiteten Felde unentbehrlich sein. Da ein näheres Eingehen auf Einzelnes leider unmöglich ist, so muß es genügen, das Verzeichniß des reichen Inhalts mitzutheilen:

„Einleitung. Kulturanfänge. Wohnung. Oeffentliche Gesundheitspflege. Lebensweise und Sorge für gute Nahrungsmittel. Genußmittel (Bier, Wein, Branntwein, Tabak). Handel. Sittenpolizei und Justizpflege. Oeffentliche Anstalten (das Frauenhaus, das Badehaus, das Armen- und Krankenhaus). Der ärztliche Stand. Medizinalordnungen. Apotheker. Hebammen. Universitäten.“

Breslau.

H. Häser.


Vermischte Nachrichten.

71) Zum Bau des Pfarrhauses in Graniczestie in der Bukowina wurden nach Angabe der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. Kunst- und historische Denkmale auf dem nahe gelegenen, hohen, die Gegend beherrschenden Berge Steine geholt und dabei von den Arbeitern erst ein von unbehauenen Steinen umlegtes, 7 Fuß langes, 6,4 Fuß breites und 3 Fuß tiefes Grab gefunden, unter dessen Plattendecke ein größeres und kleineres Gerippe sich befanden. Das größere hatte zwischen den Füßen zwei unregelmäßig geformte Töpfe mit dicker Wand aus schwachgebrannter Schwarzerde. Zur Seite desselben lag eine Steinaxt aus Achat und ein versteinerter Rest einer Holzkeule (?). Leider wurde das Grab, sowie ein zweites, später gefundenes von den Arbeitern zerstört.

72) Marienwerder, 28. Mai. Das hiesige Museum des historischen Vereins hat einen werthvollen Silberfund erworben, dessen einzelne Theile nach Tausenden von Stücken zählen und zusammen 4 Kilogramm wiegen. Derselbe befand sich in einer ungebrannten, nur am Feuer getrockneten Urne aus gewöhnlichem Thon, deren Theile gerettet sind, und welche nicht tief unter der Erde in der Kolonie Dombrowo stand. Der Schmuck besteht aus größeren, gewundenen Ringen von verschiedenster Form, aus Ohrringen zum Theil mit Gehängen, aus zahllosen kleinen Ringen, Kettenfragmenten, Platten, Zierstücken und anderen Schmuckgegenständen — sämmtlich von schönster Arbeit — sowie aus etwa zweitausend (über 600 völlig erhaltenen) Münzen, auf deren einzelnen sich phönizische, altgriechische und altetrurische Buchstaben befinden. Die Ornamentik der Zierplatten u. s. w. stimmt mit bekannten Hallstädter Gräberfunden (altetrurisch 600–700 v. Chr.). Auch die Technik der Urne spricht für die Jahrhunderte vor Christi Geburt.

(Nürnberger Presse, Nr. 156.)