73) Xanten, im Mai. Betreffs der „an der alten Burg“ vor dem Clever Thore gemachten Aufdeckungen ist Folgendes zu melden. Zunächst ist das Bauwerk zweifellos römischen Ursprungs, und zwar ein Prätorium, von dem nur ein geringer Theil, etwa ein Fünftel, bloßgelegt ist. Es ist dies der hintere, Exerzier- und Baderäume enthaltende Theil. In wie gewaltigen Ausdehnungen das Ganze angelegt ist, ergibt ein vergleichender Blick auf die Größenverhältnisse der so viel besprochenen und besuchten Saalburg bei Homburg vor der Höhe. Letztere hat eine Länge von 60 m. und eine Breite von 45 m. Hier aber handelt es sich schon um eine Breite von 107 m. und eine wahrscheinliche Länge von 143 m. Es ist also eine Aufdeckung, wie sie großartiger schwerlich während des letzten Jahrzehnts im Westen Deutschlands gemacht worden ist. Hoffentlich wird vom Spätherbst dieses Jahres ab, wenn die Felder leer sein werden, das Aufgraben seinen rüstigen Fortgang haben, und nicht unwahrscheinlich wird dann die Auffindung von interessanten Gegenständen römischen Lebens im nördlicher gelegenen Atrium und Peristyl sein. Jetzt gilt es zunächst, die das Prätorium umgebende Mauer, die in weitem Abstande das Gebäude umschließt in ihren Ecken festzustellen, und damit ist schon ein guter Anfang gemacht worden. Dann wird die porta praetoria so wie die porta decumana unschwer gefunden werden. Schließlich noch zur Nachricht, dass durch Weiterpachtung des betreffenden Ackerstückes die Zuschüttung des aufgedeckten Bauwerks in den Dimensionen von 107 m. zu 22 m. noch für das kommende Jahr verhindert worden ist.
(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 129 nach d. Cöln. Ztg.)
74) Der in Nr. 4 dieses Blattes unter Nr. 44 wiedergegebene Bericht des fränkischen Kuriers enthält mehrere ungenaue Angaben, die wir auf Wunsch des Vereins zu Hanau im Interesse der historischen Wahrheit durch folgende Angaben berichtigen. Zur Fortsetzung der im Oktober vorigen Jahres begonnenen Ausgrabungen nächst der Kinzigmündung, die unter Leitung der Herren Dr. R. Suchier und G. von Rößler stattfanden, war vom Kultusministerium eine Summe bewilligt; unter Leitung der Genannten wurden über 14 Tage lang Forschungen angestellt, wodurch Reste von drei römischen Gebäuden und noch weitere Fundamente aufgedeckt und in Allem genau konstatiert wurden. Diese hatten aber keinen militärischen Charakter, weshalb die Benennung „Kastell“ in dem früheren Artikel nicht zutrifft. Daß ein Römer-Kastell in der Nähe war, ist sehr wahrscheinlich, wo es aber lag und wie groß, ist bis jetzt noch unbekannt; später wird es hoffentlich noch an den Tag kommen. Die Fundgegenstände waren außer allerlei Geräthen von Eisen eben keine Urnen, sondern viele Fragmente von Krügen und Schalen. Das Interessanteste ist von dem Einsender unerwähnt gelassen, nämlich Heizvorrichtung, Auffindung eines Brunnens und eines wohlerhaltenen Kellers, worin sich die merkwürdigsten Stücke von bemalten Wänden fanden, auf denen sich Ornamente aller Art in den verschiedensten Farben deutlich zeigten.
75) In Regensburg wurde auf der Straße nach Kumpfmühl, wo gegenwärtig die Röhrenleitung zur Gasbeleuchtung gelegt wird, eine Löwenfigur ausgegraben.
(Das Bayerische Blatt, Nr. 123.)
76) Der „Neuen Züricher Zeitung“ wird aus Zürich geschrieben: Ein sehr interessanter Fund ist letzter Tage auf der Höhe der Allmankette, 840 Meter hoch, von Herrn Brandenberger in Adentschweil-Bärentschweil gemacht worden. Ungefähr 24 Pfund römische Kupfermünzen wurden gefunden. Der Schatz lag zwischen zwei Steinen lose mit Erde bedeckt und wurde beim Sprengen der Blöcke gefunden. Das Geld war je nach der Größe in fünf bis sechs Rollen verpackt worden und lag wahrscheinlich in einem Kistchen, das aber der Länge der Zeit erlegen ist. Die Münzen sind im Ganzen wohl erhalten. Die geschützte Lage hinderte ihre weitere Zerstörung durch Oxydierung derselben. Der Fundort ist auf der topographischen Karte mit Palten bezeichnet und war wohl immer mit Wald bedeckt. Die Münzen tragen die Bildnisse der römischen Kaiser aus dem 1. bis 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung; dieser Schatz mag bei dem Einfall der Alemannen verborgen worden sein. In der Nähe des Pfäffikersees waren verschiedene römische Niederlassungen; Bürglen, Irgenhausen (Kastell) und Kempten sind Beweise hiefür gewesen.
(Numismatisch-sphragistischer Anzeiger, Nr. 5.)
77) Im Göthehügel in Seesenheim fand, wie die „Els.-Lothr. Ztg.“ mittheilt, eine Ausgrabung statt, bei welcher zuerst ein rohgeformter irdener Teller und eine eiserne Pfeilspitze gefunden wurden. Das Metall wies auf die nachceltische Zeit, welche im Elsaß schon im ersten Jahrhundert vor Christi Geburt beginnt. In größerer Tiefe fanden sich darin ein Schädel und das Oberstück einer antiken Kanne mit schöngeformtem Henkel, Ausguß, Hals und einem Stück des Bauches, weiter eine Münze, welche über das Zeitalter der Bestattung Aufschluß gab. Es war ein kleines Kupferstück, so groß wie ein Pfennig, aber ziemlich dick. Die Aufschrift ergab D(ominus) N(oster) BADVILA REX, unten im Kranze noch der Rest eines x (= Denar); auf der Rückseite, so weit sie lesbar ist, FELIX T.... VS, in der Mitte ein nach rechts gewendeter Kopf. Die Inschrift ist zu ergänzen T(icin) VS, der Namen der Stadt Ticino in Oberitalien, die als Frauengestalt in der Mitte abgebildet war. Badvila fiel 552, und gleich nach ihm brach das Ostgothenreich unter den Angriffen der Byzantiner zusammen. Unter Totilas wurde der Theil Alamanniens, welchen Theodorich der Große vor Chlodwig geschützt hatte, an die Frankenkönige abgetreten; und in diese Uebergangszeit fällt diese Münze. Endlich kamen als geringe Reste noch zwei Stücke eines eisernen Schwertes, zerbrochene Eisensporen und zwei Helme zum Vorschein, diese ganz in der Form der zur Zeit der Völkerwanderung getragenen und insofern freilich sehr interessant. Nur der obere Schädel war dadurch bedeckt, eine abgestumpfte Spitze ragte noch darüber hinaus; dann schloß sich an den Rand nach abwärts ein Streifen, den gelegentlich auch Goldbänder und edele Steine verzieren mochten.
(D. Reichsanz. Nr. 122.)