78) Ein höchst interessanter antiquarischer Fund ist, wie der „Hamb. Corr.“ mittheilt, in Norwegen bei Sandefjord von dem Antiquar Nikolaison gelegentlich der Ausgrabung eines Hünengrabes gemacht worden. 12 bis 15 Fuß unter dem Gipfelpunkt des Hügels ist man auf ein Schiff gestoßen, welches vom Vorder- bis Hintersteven 60 Fuß Länge hat. Es ist dies wohl das erste Vikingschiff (oder Knorr) von solcher Größe, welches man bis jetzt aufgefunden hat. Nikolaison meint, daß es jedenfalls vom Anfang unserer Zeitrechnung datiert.

(D. Reichsanz., Nr. 122.)

Ueber diesen, wie es scheint, außerordentlich wichtigen Fund liegt eine Reihe eingehender Mittheilungen in verschiedenen Zeitungen vor, darunter in Nr. 253 u. 257 der Nordd. Allg. Ztg., woraus sich schließen läßt, daß das reich ausgestattete Schiff vollständig, wohl erhalten, etwa 75 Fuß lang ist, kostbare Metallgegenstände verschiedener Art, Seidenstoffe u. A. enthält und erst den späteren Jahrhunderten des ersten Jahrtausends angehören dürfte.

79) In Seligenstadt werden die allerdings nur geringen Ueberreste der am Main gelegenen Kaiserpfalz, welche aus der Barbarossazeit stammt, und das rothe Haus, Kaiserhaus oder Burg genannt, unter theilweiser Ausgrabung wiederhergestellt. Der Architekt Dr. Hesse aus Offenbach wird die Arbeiten leiten.

(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 123.)

80) Ueber den Stand der Restaurationsarbeiten am Stephansdom zu Wien bringen die Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. K. und hist. Denkmale folgende Notiz:

Dombaumeister Friedrich Schmidt hat der Central-Commission eröffnet, daß im laufenden Jahre das Restaurierungswerk der Stephanskirche zum vorläufigen Abschlusse gelangen wird; und wirklich verhält es sich mit den Arbeiten an der Kirche dieser Anzeige gemäß. Der Halbthurm ist bis auf ein Stockwerk des Gerüstes entkleidet. Gegenwärtig beschäftigt man sich hauptsächlich mit der Reparatur der dortigen drei Eingänge und der Innenhalle.

Die sogenannte Capistrans-Kanzel, die aus den Fugen zu gehen drohte, wurde abgetragen, um wieder in solider Weise aufgestellt zu werden.

Das letzte und wichtigste Werk der bisherigen Innenrestaurierung bildet die schöne gothische Kanzel, die nach ihrer Abtragung in allen ihren Theilen einer gründlichen Ausbesserung, Ergänzung und Säuberung unterzogen wurde und eben jetzt wieder zur Aufstellung gelangt.

Nach Mittheilung des Oberbaurathes Schmidt mußten an ihr, besonders am Schalldeckel, so manche Aenderungen durchgeführt werden, doch nur, um das Kunstwerk auf seine alte und ursprüngliche Form zurückzuführen, für welche sich hinreichende und unzweifelhafte Anzeichen dem geistreichen Baumeister vorfanden.