Mit der Restaurierung der Kanzel Hand in Hand, und weil fast geboten, gieng die Ausbesserung des Kirchenpfeilers, daran sich die Kanzel hinaufbaut. Bei der Ablösung der Rußtünche und der Jahrhunderte alten Staubkrusten kam man nicht allein auf verblaßte Reste der alten architektonischen Malerei, sondern man fand, und zwar viel besser erhalten, die Malerei an den Figuren, die die Kirchenpfeiler — unter reichen Baldachinen — zieren. Die Malerei ist mit besonderer Zartheit und Bescheidenheit angewendet und so gut erhalten, daß sie an den meisten Stellen heute noch ganz frisch erscheint und daran sehr wenig auszubessern war.

81) Einem Berichte des Conservators Dr. Schönherr über die fortgesetzten Restaurierungen in der Meraner Fürstenburg ist zu entnehmen, daß an den Wänden des Wehrganges Spuren von Malereien gefunden wurden, welche bisher eine Kalktünche völlig verdeckt gehalten hatte. Nach Loslösung dieser zeigte sich das alte Bild vollkommen deutlich. Es besteht aus rankenartigen Verzierungen in Roth, Grün und Braun, dazwischen die Darstellung einer Jagd und eines Vogelfanges. Diese Wandmalereien wurden einer, und zwar völlig gelungenen, pietätvollen Restaurierung unterzogen. Unrestauriert blieb vorläufig nur ein kleiner Theil an der Südseite des Wehrganges, nämlich da, wo in die rankenartigen Verzierungen ein Vogelfang eingefügt, aber die Malerei doch nicht so erhalten ist, um sie mit voller Sicherheit restaurieren zu können.

(Mittheil. d. k. k. Centr.-Comm. zur Erforsch. u. Erhalt. d. Kunst und hist. Denkmale, VI. Bd., 2. Heft.)

82) In Rutzendorf bei Ansbach fand ein Bauer bei baulichen Veränderungen seiner Scheune einen vergrabenen Münzschatz. Derselbe bestand aus 1 Goldmünze und circa 1300 Silbermünzen. Die Goldmünze war ein Dukate von Westfriesland von 1592; die Silbermünzen vertheilen sich wie folgt:

a) 260 französische Münzen als: 65 ganze, 188 halbe und 7 viertel Thaler, sämmtlich von Ludwig XIV.;

b) 25 andere Thaler: 14 Stück Kaiser Leopold I. von 1682–92; 2 Stück Philipp für Brabant 1578 u. 1580; 1 Stück Stadt Zwolln 1660; 1 Stück Lüttich (Bisthum) 1690; 1 St. Hanau, Catharina Belgica, 1622; 1 St. Leopold von Oesterreich 1624 (wie Schulth. Cat. 4230); 1 St. Tirol, Sigmund Franz 1665; 1 St. Salzburg, Max Gandolph 1672; 3 Stück Sachsen, 3 Brüder, 1609; ferner: Nürnberg, 1 Guldenthaler 1612;

c) 124 ⅔-Thaler oder 60er (Sortengulden): Julius Franz von Sachsen-Lauenburg 1678, 30 Stück; Gustav von Sayn-Wittgenstein, versch. Jahre, 12 St.; Fränk. Kreis ⅔-St., 1693, 8 St.; Sachsen, verschiedene, 30 St.; Montfort, verschiedene, 11 St.; Ludwig von Solms, verschiedene, 5 St.; Heinrich I. von Reuß-Schleiz 1678, verschiedene, 2 St.; Anhalt, verschiedene, 14 St.; Brandenburg, verschiedene, 4 St.; Henneberg 1692, 2 St.; Aug. Friedr. Bischof von Lübeck 1678, 2 St.; Friedr. Christ., Bischof von Münster, 1692, 1 St.; Albert Ernst von Oettingen, 1678, 1 St.; Nürnberg, LXer (Kipper) 1622, 1 St.; Holstein Plön, Joh. Adolph, 1690, 1 Stück; — ferner: Bayern, Max Emanuel, 30er 15 Stück;

d) circa 200 verschiedene ¼-Gulden, ⅙-Thaler und dergl. Es war hiebei folgendes Bessere: Sulz, Joh. Ludwig, XVer 1675, 2 verschiedene Stempel RR; Leiningen-Westerburg, XVer 1691 und 92, 4 Stück R; Haldenfels, Georg Philipp von Ehrenfels, XVer 1690, 3 versch. Stempel R; Walkenried, Friedr., 6 Mariengrosch., 1688, 1 St. R.; Jever, Carl Wilhelm, ⅙ Thlr. 1690, 1 St. R; Fugger, XVer 1676, 1 St. R; die anderen Stücke vertheilen sich auf Nassau (ca. 70 St.!), Sachsen (40), Brandenburg (20), Montfort (20), Bayern (10), u. s. w.;

e) 754 kleine Münzen. Unter diesen kleineren Münzen, als Sechsern, Batzen, Groschen und Kreuzern bemerkte ich: Bamberg, Peter Philipp und Marquard Sebastian 160 Stück; weiter: Augsburg, Stadt (1 St.), Bayern, Brandenburg, Braunschweig, Deutscher Orden in Mergentheim, Hanau, Hessen, Hohenlohe (1 St.), Lippe (1 St.), Nassau, Nürnberg, Oettingen (1 St.), Oesterreich (Kaiser), Sachsen, Salzburg, Schlesien-Liegnitz, Schles.-Oels, Straßburg, Tirol, Ulm und Ungarn.

Die Münzen waren in einem Sacke (dessen einzelne Trümmerchen noch vorhanden), welcher in einem irdenen Hafen mit einem dergl. Deckel war. Hafen und Deckel sind zerstört worden während des Ausgrabens. — Der Schatz scheint ca. 1693–1694 vergraben worden zu sein.