Im allgemeinen waren es wol folgende drei Gründe, die Veranlassung gaben, das Salve Regina auf Taufbecken zu setzen:
1) Derartige Taufbecken waren zunächst für Marienkirchen bestimmt, und man wählte darum der Harmonie wegen gern eine Aufschrift, die, wie die ganze Kirche, in einer Beziehung zu Maria stand.
2) Die große Anzahl von Wörtern, aus denen das Salve Regina besteht, gab eine, der Größe und dem Umfang eines Taufbeckens entsprechende, willkommene Dekoration ab.
3) Das Salve Regina schließt eine Reihe von Gedanken in sich, die leicht mit dem Täufling und der Taufe in Beziehung gebracht werden können. Als die in Folge des Sündenfalles unserer Stammeltern aus dem Reiche der Gnade und Glorie verbannten (exules), in diesem Thale der Thränen seufzenden und weinenden (gementes et flentes in hac lacrymarum valle) Kinder der ersten Stammmutter Eva (filii Evae) werden die Täuflinge zum Taufbrunnen gebracht. Hier aber werden sie durch die Gnade der Wiedergeburt wie Kinder Gottes und Brüder und Miterben Christi, so auch Kinder der zweiten Eva, d. i. Kinder Mariä, Kinder derjenigen, die den „Urheber des Lebens“ der Gnade (vgl. Apg. 3, 15) geboren hat,[219] und die darum begrüßt wird als Regina, mater misericordiae, vita, dulcedo et spes nostra. Sie soll nun als die himmlische Schützerin und Schirmerin (advocata) und als die gütige, als die milde und süße Jungfrau Maria (clemens, pia, dulcis virgo Maria) ihre barmherzigen Augen auf den Täufling wenden (illos tuos misericordes oculos ad nos converte) und ihn so auf seinem Lebenswege schützen und schirmen, führen und leiten, daß er dereinst nach dieser Zeit der Verbannung aus dem himmlischen Vaterlande zur Anschauung ihres göttlichen Sohnes gelange (et Jesum benedictum fructum ventris tui nobis post hoc exilium ostende) und damit die ewige Vollendung und Erfüllung jener Gnade finde, die in der Taufe seiner Seele eingesenkt worden ist.
Mainz.
Friedrich Schneider.
Ein Breslauer Goldschmied im Dienste des Kurfürsten August von Sachsen.
Herr Dr. Wernicke hat jüngst im Anzeiger Nr. 6, Sp. 188 über den Breslauer Goldschmied Tobias Wolff berichtet, welcher nach Akten des Dresdener Archivs im Januar 1574 nach Dresden berufen wurde, um Medaillen zu machen. Dies ist der „Meister Wolff in Breslau“, bisher unbekannten Vornamens, welcher nach Luchs (Zeitschrift für Geschichte und Alterthümer Schlesiens, 1863, S. 24) „im Jahre 1561 in Kunstangelegenheiten Rath ertheilte und an den Hof Georgs II. von Brieg berufen wurde.“
An diesen Tobias Wolff knüpft sich eine weitere Frage. Es gibt eine große Anzahl sächsischer Gußmedaillen, den Kurfürsten August, seine Verwandten und Umgebungen darstellend, aus den Jahren 1574, 1575 und den folgenden, welche das Monogramm