, also T. W. haben. Man schreibt sie allgemein einem Tobias Wost zu. Jener Breslauer heißt: Tobias Wolff, dieser: Tobias Wost; beide arbeiten in Dresden, beide in denselben Jahren; — sind sie identisch? Der Name Tobias Wolff ist sicher; denn er wird an zwei von einander unabhängigen Stellen genannt in den Dresdener Akten und als Meister Wolff in der von Luchs gegebenen Nachricht. Dagegen beruht der Name Tobias Wost, soviel mir bekannt ist, auf einer Nachricht in Tentzels Saxonia numismatica, linea Albertina, S. 158, wo gesagt wird, dieser Künstler habe auch eine Medaille mit seinem eigenen Bildniß gemacht; man möchte glauben, auch sein Name stehe darauf. Tentzel sagt aber, er verdanke diese Nachricht „Cl. Schlegelio“ (dem bekannten Chr. Schlegel). Daraus ergibt sich, daß Tentzel die Medaille nicht selber gesehen hat; und in der Liste sächsischer Medaillen in Erbstein’s numismatischen Bruchstücken I-III, S. 46 steht sie auch nicht. Darf man nun annehmen, daß Chr. Schlegel geirrt hat und daß Wolff statt Wost zu lesen ist? Die Herren Doctoren Erbstein in Dresden können hierüber den besten Aufschluß geben.

Die von Herrn Dr. Wernicke angeführte Berufung des Tobias Wolff spricht von „Possierung, Schneidung und Abgießung der Contrafacturen“ und deutet darin die Technik dieser Kunstart an: Das Modell des Bildnisses wurde nach dem Leben in Wachs oder in ähnlicher Masse bossiert; dies Modell wurde dann — verkleinert, wenn es in größerem Maßstab war, als die Medaille werden sollte — aus Speckstein oder Kelheimer Stein als Relief geschnitten, ebenso die Kehrseite; dann formte man beide vertieft ab und goß endlich in diesen Formen die Medaille und ciselierte sie.

Solche Arbeiten, sowohl Steinmodelle als Silbermedaillen, des T. W. sind zwar selten; aber sie kommen vor. Das Berliner Münzkabinet besitzt einige Modelle und nicht wenige Silbermedaillen von ihm. Nach den Dresdener Akten verfertigte er auch „etliche Contrafaituren der Päpste“; auch das Steinmodell zur Medaille eines Papstes habe ich gesehen, doch ohne sein Monogramm.

Die hier angeregte Frage nach dem wahren Namen des T. W. hat um so größeres Interesse, als die Künstler der zahlreichen und schönen deutschen Medaillen fast sämmtlich unbekannt sind; daher ist jede Nachricht erwünscht. Und nun ist gerade dieser T. W. unbedingt der beste Künstler seit der Epoche der meisterhaften Nürnberger Bildniß-Medaillen, welche etwa bis 1530 reicht. Seine zum Theil 5 und 6 Centimeter großen, meist kleineren Arbeiten sind außerordentlich schön, die Bildnisse voller Leben und Charakter, die Ausführung die vollendetste.

Der Mangel an Nachrichten über die deutschen Medaillenkünstler rührt daher, daß sie in ihrer Bescheidenheit ihre Namen nicht, ihre Monogramme selten auf ihre Werke setzten. Nur archivalische Quellen können diesem Mangel an Nachrichten abhelfen. Suchen lassen sich solche Nachrichten nicht; aber die Historiker, welche bei ihren Studien vereinzelte finden, sollten sie mittheilen. Herr Dr. Wernicke verdient unsern Dank, daß er dies gethan.

Berlin.

Julius Friedlaender.


Die musicierenden Engel von Virgil Solis.