(Auszug aus einem umfassenden Berichte in Nr. 10568 des Hannoverschen Couriers.)
127) Bonn, 9. Oktober. Bei den Erdarbeiten zu den Kasernenbauten vor dem Kölnthor hat man, wie fast bei allen tieferen Erdgrabungen, die in jener Gegend stattfinden, vielfach Gegenstände gefunden, welche aus der Römerzeit herrühren. Man stieß laut der „Bonner Ztg.“ auf Mauerüberreste und Kanäle, die als Ergänzung der Resultate der im verflossenen Jahre durch Professor aus’m Weerth veranlaßten Ausgrabungen behufs Feststellung der Lage des ehemaligen römischen Castrums nicht werthlos sind. Unter den gefundenen Sachen sind zu erwähnen eine ca. zwei Fuß hohe Urne, in welcher sich Knochenreste befanden, Säulenstücke, römische Lampen, verschiedene Thongefäße und Thongefäßreste mit dem Legionenstempel, Platten mit Fußeindrücken von Menschen und Thieren, Münzen, Schreibgriffel und dergl. An einer Stelle fand man die Gerippe von ca. 30 Leichen neben einander liegend, dabei einen Schädel, welcher eine Deckenstärke von 7 Millimeter besitzt; auch Pferde- und Ochsengerippe wurden vielfach aufgefunden.
(Nordd. Allgem. Ztg., Nr. 477.)
128) Alzei, 10. Mai. An der Neumühle zwischen Weinheim und Mauchenheim tritt die den Walchia-Sandstein bedeckende, der Eruptionszeit des Melaphyrs angehörige Schicht von Schieferletten zu Tage. Als nun Herr Neidlinger von hier behufs Erweiterung seines dort gelegenen Steinbruchs die genannte Schicht abräumen ließ, fand man in der Tiefe von 5 bis 6 Fuß ein Römergrab. Dasselbe enthielt einen gewöhnlichen, schlecht gebrannten Krug, eine flache Schale von (wol nicht echter) Siegelerde mit Töpferstempel von 16 Centimeter Durchmesser und eine sehr gut erhaltene gläserne Urne von 13½ Centim. Höhe und einem Oeffnungsdurchmesser von 10½ Centim. Das Glas ist grünlich und irisiert etwas; eine große Zahl von Rippen läuft an dem Gefäß als Verzierung herunter. Zwischen diesen Gegenständen lagen Reste von Wirbeln und anderen Menschenknochen, freilich nur noch aus phosphorsaurem Kalk bestehend, da die Leimsubstanz gänzlich herausgebrannt ist.
(Correspondenzblatt des Ges.-Ver. d. d. Gesch.- u. Alterthumsvereine, Nr. 6[270].)
129) Dieselbe Nummer des Correspondenzblattes, der wir die vorhergehende Notiz entnommen, bringt auch einen längeren Aufsatz über den Fund einiger merkwürdiger römischer Steine mit Skulpturen und Inschriften, welche im Frühjahre in der Gemarkung Neckarau gemacht wurde. Die Steine sind in die Sammlungen des Alterthumsvereins in Mannheim gekommen, während die Nachgrabungen als Resultat erkennen ließen, daß dort an einem alten Zusammenflusse von Neckar und Rhein, in der Nähe Altripps, eine römische Niederlassung sich befand, daß aber der Lauf des Rheins damals ein anderer war und Altripp auf dem rechten Rheinufer lag.
130) Im vorigen Monat wurde in der Nähe Aachens eine römische Villa aufgedeckt. Die Aufgrabung wurde unter Leitung des Conservators des Museums-Vereins in Aachen, Hauptmann a. D. Berndt, ausgeführt, nachdem schon 1876 im Propstei-Walde, nahe der Station Stolberg der rheinischen Eisenbahn, Stücke behauenen Sandsteines gefunden worden waren. Die Grabungen legten Mauern eines römischen Baues in der Höhe von ½ bis 3 Meter bloß. Das Baumaterial, behauener Kohlensandstein, in der Nähe des Platzes gebrochen, der Mörtel, die Form der im Schutt gefundenen Ziegel, ein an mehreren Stellen aufgedeckter Estrich, Topfscherben mit römischen Stempeln und viele andere kleine Funde lassen jeden Zweifel schwinden, daß hier die Ueberbleibsel einer römischen Ansiedelung vorhanden sind; auffallend stimmt auch die Größe der Anlage, welche 37 Meter lang und 21 Meter breit ist, mit den Maßen der Villa überein, welche südlich des Römercastells, der Saalburg, bei Homburg gefunden worden ist. Die Ergebnisse scheinen bedeutend genug, um die völlige Bloßlegung der Villa zu unternehmen, da man aber, wird der „Köln. Ztg.“ geschrieben, zu der Ueberzeugung kommen mußte, daß vor Eintritt des Winters die Arbeit nicht beendigt sein könnte, so ist die Aufgrabung vorläufig bis zum nächsten Jahre eingestellt worden.
(Augsb. Postztg., Nr. 240.)
131) Bingen, 27. Mai. Hinter der Burg Klopp sind beträchtliche fränkische Grabfunde gemacht worden, namentlich ist ein Grab durch eine reiche Schmuckkette aus länglichen gebohrten Amethist in größerer Zahl nebst vielen Zierscheiben aus Gold mit Filigran, sowie zwei großen goldtauschierten Fibeln, Schnallen etc. und prächtigen Perlenketten aus farbigen Fritten und Bernsteinstücken ausgezeichnet. Die Fundstücke befinden sich in Privatbesitz.
(Correspondenzblatt d. Ges.-Ver. d. d. Gesch.- u. Alterth.-Ver. Nr. 7.)