Meister Oswald Hilger in Freiberg.
Meine im Anzeiger d. J. [Sp. 252] ausgesprochene Vermuthung, daß der 1521 in Breslau arbeitende Gießer Andreas Hilliger der bekannten Künstlerfamilie in Freiberg angehöre, findet ihre Bestätigung, resp. Ergänzung in einem Briefe des Görlitzer Magistrats an Meister Oswald, Glockengießer zu Freiberg, welcher in einem (1512 begonnenen) Missivenbuche entworfen ist. Der modernisierte Wortlaut desselben ist folgender:
Die Kirchenväter zu St. Peter bei uns thun uns kund, wie sie mit Euch Verabredung gehabt wegen der Glocke, so Ihr Gott und den heiligen Patronen zu Ehren gießen wolltet, darum angezeigt, wie Ihr auf Pfingsten „schirst“ solch Gießen zu vollenden gedächtet. Nun wird ihnen von einem Fuhrmann angesagt, daß Ihr vor angesetzter Zeit erscheinen wolltet. Darum bitten wir Euch freundlich, wollet durch gewisse Botschaft den Kirchenvätern Eure Herkunft schriftlich zu erkennen geben, auf daß sie sich danach zu richten haben. Datum 3a post annunc. Marie (27. März) 1515.
Auf einem späteren Blatte steht ein Brief an Antonius Fucker, z. Z. in Breslau, worin es heißt, daß zu der Glocke noch 40 Ctr. Kupfer nöthig seien. Nach den Script. rer. Lus. sollte der Guß 1516, Donnerstag am Tage Kosmä und Damiani, stattgefunden haben. Die Jahrzahl muß 1515 lauten, wo dieser Festtag auf Donnerstag den 27. September fiel. Meister Oswald traf wahrscheinlich nur die Vorbereitungen dazu, da die citierte Quelle ausdrücklich bezeugt, daß der „Kannengießer“ von Freiberg die Glocke durch seine beiden Söhne habe gießen lassen, vorausgesetzt, daß er eben der Vater gewesen, dem man das Werk „angedinget“ hatte. Damit wird allerdings meine Annahme, daß Andreas der Vater von Wolf und Oswald Hilger sei, hinfällig. Wolf starb nach Gurlitt, das Schloß Freudenstein, S. 1409, im J. 1577.
Bunzlau.
Dr. Ewald Wernicke.