144) Aus dem Süderlande wird der „Ess. Ztg.“ geschrieben: „Wir können von einem seltenen Funde berichten, der in der Nähe von Altena gemacht ist. Bei Gelegenheit der Urbarmachung einer Waldparzelle nämlich wurde von einem Arbeitsmann ein durchbohrter und eigenthümlich gestalteter Stein gefunden und der Seltenheit wegen auch mit nach Hause genommen. Durch einen glücklichen Zufall gelangte die Nachricht von diesem Funde, der im Laufe des Sommers gemacht war, an den Vorstand des Museums in Altena, und es stellt sich nunmehr heraus, daß der aufgefundene Stein ein Artefakt, und zwar eine steinerne Streitaxt ist. Dieser Fund ist deshalb von außerordentlichem Interesse, weil bisher, soviel in Erfahrung hat gebracht werden können, ein derartiges Geräth im „Süderlande“ — dem alten Wohnsitze der Sigambrer und dem südlichen Sitze des eingedrungenen Stammes der Sachsen — nicht gefunden oder aufbewahrt ist. Diese Axt gehört nach der Art ihrer Bearbeitung der jüngeren Steinzeit an, reicht möglicherweise aber noch in die Zeit der Kämpfe der Sachsen gegen die Franken zur Zeit Widukinds, eine Annahme, die zulässig wenigstens erscheint, wenn man gewahrt, daß die „Steinzeit“ in hiesiger Gegend bis in unsere Tage in Gestalt der sogenannten „Gewichtsteine“ hineinragt. Auf manchem Wasserwerke nämlich unserer einsamen Thäler wird noch heute oder wurde bis vor kurzem der gezogene Draht oder das geschmiedete Eisen mit Gewichtstücken gewogen, die aus einem Stein zurechtgeschlagen sind.“

(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 486.)

145) Stade, 13. Okt. (Urnenfeld bei Hagen.) Wie das hiesige „Tageblatt“ meldet, ist vor einigen Tagen in der Nähe der Ortschaft Hagen beim Baugewerk ein Urnenfeld entdeckt. Dasselbe befindet sich auf dem Hüttenberge, in dem früheren Wege von Hagen nach Sandstedt. Im Ganzen sind zwölf Urnen gefunden, alle in der Richtung von Südosten nach Nordwesten in Reihen, etwa 58 Centimeter tief im Boden stehend. Leider konnte keine einzige heil zu Tage gefördert werden, dagegen fanden sich in einigen recht werthvolle Bronzesachen, als: eine Bronzenadel von ausgezeichneter Arbeit, desgleichen eine Lanzenspitze und mehrere Bronzemesser. Sämmtliche Sachen sind von dem Lehrer Buerfeind in Besitz genommen, der sie dem Verein für Alterthumskunde in Stade einsenden wird.

(Weserztg. 12131.)

146) Aachen, 4. Oktober. Ein Beitrag zur Geschichte der römischen Ansiedlungen im Rheinlande ist durch die Aufdeckung einer römischen Villa in der Nähe von Aachen im Monat September geliefert worden. Auf Veranlassung und unter Leitung des Konservators des Museumsvereins in Aachen, Hauptmann a. D. Berndt, wurde die Aufgrabung ausgeführt, nachdem schon 1876 im Propsteiwalde, nahe der Station Stolberg der rheinischen Eisenbahn, Stücke behauenen Sandsteines gefunden worden waren, welche vermuthen ließen, daß sich an Ort und Stelle vielleicht Baureste finden möchten. Die im Laufe des September vorgenommenen Grabungen legten Mauern eines römischen Baues in der Höhe von ½ bis 3 m. bloß, sodaß aus dem Grundriß der Umfassungsmauern deutlich die Anlage einer römischen Villa erkannt werden konnte. Das Baumaterial der Mauern — behauener Kohlensandstein, in der Nähe des Platzes gebrochen —, der Mörtel, die Form der im Schutt gefundenen Ziegel, ein an mehreren Stellen aufgedeckter Estrich, Topfscherben mit römischen Stempeln und viele andere kleine Funde lassen jeden Zweifel schwinden, daß hier die Ueberbleibsel einer römischen Ansiedelung vorhanden sind. Auffallend stimmt auch die Größe der Anlage, welche 37 m. lang und 21 m. breit ist, mit den Maßen der Villa überein, welche südlich des Römerkastells, der Saalburg, bei Homburg gefunden worden ist. Die Ergebnisse scheinen bedeutend genug, um die völlige Bloßlegung der Villa zu unternehmen; da man aber bei einer Vergleichung der bisher bewegten und noch zu bewältigenden Bodenmenge zu der Ueberzeugung kommen mußte, daß vor Eintritt des Winters die Arbeit nicht beendigt sein könnte, so ist die Aufgrabung vorläufig bis zur Fortsetzung im nächsten Jahre eingestellt worden. Die bis jetzt bloßgelegten Mauern sind mit Reisig, Laub und Erde soweit wieder zugedeckt worden, daß ihnen durch Regen und Frost kein Schaden zugefügt werden kann.

(D. Reichsanz., Nr. 246, nach d. Köln. Ztg.)

147) Bad Bertrich, 22. Oktober. Bei Aushebung des Kellerraumes und der Fundamente behufs Neubau im Garten des Gastwirths Herrn J. Klerings (Drei Reichskronen) fand man unter alten Mauerresten römische Ziegel, Scherben von Krügen, Urnen und Vasen mit Reliefverzierung aus terra sigillata, ferner Thierknochen, Hörner und Eberzähne, einige anscheinend goldene Spangen, sowie in geringer Tiefe 70 Römermünzen. 65 Stück sind wohlerhaltene Silbermünzen aus dem 1. und 2. Jahrh. Von fünf Kupfermünzen sind nur drei leserlich, nämlich je eine Urbs Roma, Gallienus und Postumus.

(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 510, n. d. Köln. Volksztg.)

148) Im Herbst vorigen Jahres ist man in der Nähe von Loburg (Kreis Jerichow I., Prov. Sachsen), auf dem sogenannten Galgenberge beim Vorwerke Padegrim, beim Bohren nach Feldsteinen für den Chausseebau auf ein wendisches Gräberfeld gestoßen, das sich über mehrere Morgen erstreckt. Es ist eine große Anzahl Urnen, theils frei in der Erde, theils unter Feldsteinüberwölbungen stehend und in der mannigfachsten Weise theils mit Feldsteinen, theils mit Näpfen oder den Untertheilen zerschlagener Urnen, theils auch mit glatten Ziegelplatten zugedeckt, und von sehr verschiedenartigen Formen, auch mit Henkeln und Linearornamenten, freigelegt worden. In und bei einzelnen haben sich kleinere, wieder von sehr wechselnden Formentypen vorgefunden. Der Inhalt der entleerten Urnen erwies sich außer Knochenresten meist als ein sehr dürftiger, doch sind Lanzenspitzen aus Bronze und Knochen, Haarnadeln aus Bronze und Eisen, Spangen, Knöpfe und Ringe aus Bronze, zum Theil bei der Leichenverbrennung zusammengeschmolzen, festgestellt worden. Münzen, Messer und Schwerter haben sich nicht gefunden. Uebrigens ist die Aufgrabung nur eine ganz zufällige und gelegentliche gewesen und durch den Frost und die neue Bestellung des Feldstücks sistiert worden. Eine systematische Aufgrabung würde gewiß noch manches Bemerkenswerthe aufdecken. Kürzlich ist in die Hände des Einsenders auch ein auf der Feldmark der Stadt ausgegrabener Denar des Kaisers Hadrian gelangt, jedoch hat die Fundstelle nicht mehr für weitere Nachforschungen sicher nachgewiesen werden können.

E. W.