149) Wien, 28. Oktober. In dem kroatischen Seestädtchen Buccari wurde durch Zufall ein römischer Friedhof entdeckt. Auf dem Marktplatze der Stadt hatte sich nämlich unter den Tritten der Pferde die Erde etwas gesenkt, und es kamen Ziegel zum Vorscheine. Man forschte nach und entdeckte bald einige römische Grabmäler aus dem ersten und zweiten Jahrhundert. Nunmehr wurden die Nachgrabungen unter der Leitung des Direktors des kroatischen Museums fortgesetzt und bisher zwanzig Gräber aller Art gefunden. Man stieß dabei auf irdene Urnen aller Größen und Formen, gläserne Flaschen, Vasen, seltsam geformte Becher, kleinere Fläschchen, römische Münzen und wohlerhaltene Skelette. Im Augenblicke wartet man die Bewilligung eines größeren Betrages ab, um die Ausgrabungen fortsetzen zu können.
(Augsb. Postztg., Nr. 265.)
150) Die Altofner Ausgrabungen haben am 26. v. M. einen wichtigen Fund zur Folge gehabt; es wurde nämlich im westlichen Theil des Amphitheaters ein Stein mit folgender Inschrift gefunden: „Deae Dianae Nemesi Augustae, honoribus C. Juli Victorini, equo publico, aedili II. virali et T. Flavio Luciano quinquennali II. virali, pontificibus quinquennalibus coloniae Aquinci, Pupilius Hylatianus Antestis numini eiusdem deae posuit V Kalendas Iulias, Aemiliano et Raso consulibus.“ Wie die Archäologen versichern, wiegt dieser Stein, auf dem die Munizipalverfassung des alten Anquincum ersichtlich ist, an Werth die bisherigen Funde auf.
(Nordd. Allgem. Zeitung, Nr. 492.)
151) Kopenhagen, 27. Oktober. Das königliche Museum für die nordischen Alterthümer hat vor einiger Zeit eine 4½ Zoll hohe römische Bronze-Statuette des Jupiter erworben, die auf der Insel Fühnen beim Ausschachten eines Grabens gefunden worden ist. Jupiter ist nackt dargestellt, mit lockigem Haar und in kämpfender Haltung; der rechte Arm ist gekrümmt, und die Hand umschließt den Donnerkeil, der linke Arm ist schwach gekrümmt und ausgestreckt. Der linke Fuß steht etwas vor dem rechten, grad ausgestreckten. Die Stellung ist natürlich und frei; im Uebrigen läßt die Statuette erkennen, daß sie aus der Zeit des Verfalls der klassischen Kunst herstammt; dieselbe dürfte kaum älter sein als aus dem dritten Jahrhundert nach Chr. Allem Anschein nach ist die Figur ursprünglich auf einem Wagen angebracht gewesen, in vorgebogener Stellung die angespannten Pferde lenkend. Der Fund hat um deswillen großes Interesse, weil dergleichen römische Alterthümer auf der Insel Fühnen sehr selten sind.
(Deutsch. Reichsanzeiger, Nr. 255.)
152) Die wenigen frühchristlichen Grabschriften in der Mainzer Gegend haben durch Entdeckung eines weiteren, an der südöstlichen Ecke des Kirchthurms zu Kempten bei Bingen eingemauerten einen Zuwachs erhalten, über welchen in Nr. 306 der Darmsädter Ztg. berichtet wird.
153) In dem Verwaltungsbericht an den Bezirkstag von Lothringen, erstattet durch den kaiserlichen Bezirks-Präsidenten von Flottwell zu Metz im September d. J., wird, wie wir der „Els.-Lothr.-Ztg.“ entnehmen, auch der Restaurationsarbeiten an der Kathedrale zu Metz gedacht. Das Project, welches die Bedachung in Form eines gleichseitigen Dreiecks zur Grundlage hat, ist jetzt ausgearbeitet und kommt in kürzester Frist zur Vorlage behufs definitiver Genehmigung. Die Untersuchungen bezüglich der Errichtung einer Thurmspitze auf dem Kapitelthurme sind abgeschlossen und haben ergeben, daß die Substruktionen des Kapitelthurmes derart unsolide sind, daß eine solche Spitze nicht errichtet werden kann. Es ist daher ins Auge gefaßt, an deren Stelle einen schlanken Dachreiter im Vierungspunkte, d. i. in der Kreuzung des Langhauses mit dem Querschiff, zu errichten. Der Kostenanschlag, welcher die Instandsetzung des Eckportales von oberhalb der Baldachinreihe bis zum oberen Abschluß umfaßt, ist inzwischen fertig gestellt und genehmigt worden und beläuft sich auf 42000 M. Die in Angriff genommenen Reparaturen und Erneuerungsarbeiten an den gemalten Glasfenstern an der Nordfront des nördlichen Transepts resp. die Ersetzung der vorhandenen gewöhnlichen Glasfenster durch Grisaillenfenster in den Seitenschiffen sind beendet, und es reiht sich an dieselben jetzt die Neuverglasung der übrigen Fenster im Chorumgang.
(Deutsch. Reichsanzeiger, Nr. 245.)