18) Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger von Dr. Alwin Schultz. II. Bd. VII und 462 Stn. mit 136 Holzschnitten. Leipzig, S. Hirzel. 1880. 8.
Das vortreffliche Buch, auf dessen ersten Band wir auf Sp. 92 d. Bl. aufmerksam gemacht haben, ist mit dem zweiten Bande abgeschlossen. Im ersten Kapitel schildert dieser die Bewaffnung des Mannes, im zweiten die Kampfspiele, die Turniere, im dritten den Ernstkampf, insbesondere den Zweikampf, im vierten den Krieg zu Land, im 5. die Seefahrt und Seeschlachten, im 6. die Belagerungen und die zu Angriff und Vertheidigung nöthigen Maschinen, um dasselbe mit dem Friedensschlusse zu beendigen. Das 7. Kapitel ist dem Tode und dem Todtendienste gewidmet. Ein Schluß behandelt den Verfall des Ritterthums und der höfischen Kunst und gibt einen Gesammtüberblick über das höfische Leben und die höhere Gesellschaft, die sich hohe und erhabene Ziele gesteckt hatte, in der trotz ihrer Schwächen ein idealer Geist lebendig wirkte, und die deshalb auch Alles freudig und dankbar ergriff, was die Kultur erhöhen und das Leben verschönern konnte, insbesondre die Kunst, von welcher die Gesellschaft sich von der Wiege bis zum Grabe begleiten und beeinflussen ließ.
Wie im ersten Bande, so ist auch hier die Fülle des Materiales erstaunlich und ein klares Bild aller Einzelheiten des Lebens geboten. Die beigegebenen Abbildungen tragen nicht wenig dazu bei, die Bilder, welche der Text entwickelt, anschaulich zu machen.
Welche Fülle von Arbeit in dem Buche enthalten sein muß, zeigt ein Blick auf das am Schlusse beigegebene Verzeichniß der benützten Originalquellenschriften des 12. und 13. Jahrh.: über 400 lateinische und deutsche Chronisten, Annalisten und sonstige Prosaschriftsteller und ungefähr eben so viele mittelhochdeutsche, mittelniederländische, englische und altfranzösische Dichter.
A. E.
Vermischte Nachrichten.
160) Vor Kurzem wurde, wie die „Brünner Zeitung“ mittheilt, auf dem Damme der im Baue befindlichen Eisenbahn „Neutitschein-Zauchtl“, in der Nähe des Banerbrünnleins, von einem Realschüler eine Steinaxt gefunden. Dieselbe, aus einem grünlichen, dichten Gesteine gefertigt, ist regelmäßig poliert und vollkommen erhalten. Vor einigen Jahren wurde ein ähnliches, etwas kleineres Beil auch in Kunewald gefunden. In Stramberg wurde auf dem Scheitel des Kotouč eine durchbohrte Steinkugel und beim Eingange in die „Čertowa Dira“ ein ebenfalls durchbohrter Hammer gefunden.
(Wiener Ztg., Nr. 266.)
161) Frankenstein, 6. December. Von dem Thierarzt Joger hierselbst, einem eifrigen Sammler von Alterthümern und seltenen Steinarten, ist bei Töpliwode, in nördlicher Richtung von dem dortigen sog. Buchwalde, in der Nähe eines kleinen Baches auf dem Acker des Gutsbesitzers Schlotte daselbst ein Urnenfeld aufgefunden worden, welches sich nach den von Herrn Joger angestelltes Nachforschungen über eine Fläche von ungefähr 3 bis 4 Morgen erstreckt. Es kann daher wol mit Sicherheit angenommen werden, daß man hier auf einen heidnischen Begräbnißplatz gestoßen ist. Die Gräber sind, dem „L. A.“ zufolge, reihenweise von Süden nach Norden angelegt und enthalten Begräbnißstätten verschiedener Art. Massengräber und einzelne Begräbnisse wechseln miteinander. In manchen großen Urnen, die zum Theil offen, theilweise aber auch mit einer großen Kuppel oder einem Mantel bedeckt sind, finden sich 5–7 kleinere vor. Die kleineren enthalten Asche und Kohlenreste, die größeren nur Knochen. Auch sind Schüsseln mit kunstreicher Ausführung, z. B. mit ausgeschweiften Rändern und Zacken, Trinkbecher, Teller sowie kleinere Bronzegegenstände, als Knopfnadeln und geschmolzene Schmucksachen, wahrscheinlich Beigaben bei den Begräbnissen, und eine vollständig gut erhaltene Steinaxt von grünem Stein vorgefunden worden. Die Urnen scheinen der Steinzeit und vorzugsweise der neolithischen Periode, theilweise auch der Bronzezeit anzugehören. Ob dieselben von Kelten oder Slaven stammen, wird seiner Zeit mitgetheilt werden.