(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 582.)
162) Im Canton Waadt, in der Nähe von Consise ist im Moore ein Canoe in ausgezeichneter Erhaltung aufgefunden und ausgegraben. Es ist 11 Meter lang und etwa 1 Meter breit. Die Ausgrabung geschah unter Aufsicht des Directors vom Museum von Lausanne. Das Boot hat im Hofe der Akademie eine Stätte gefunden.
(Weserztg., Nr. 12174.)
163) In Sereth befindet sich ein für Archäologen sehr interessanter, von Osten nach Westen laufender Erdaufwurf, an dessen Zerstörung drei Ziegeleien eifrig arbeiten, obwohl beim Graben Reste aus den verschiedensten Zeitperioden gefunden worden, die im jüngsten Hefte der Mittheilungen der k. k. Centr. Com. f. K. u. histor. Denkm. Erwähnung finden und zeigen, daß hier eine prähistorische Anlage zerstört wird, die eine sehr ausgedehnte Dauer hatte, indem sie von der Zeit an, wo noch polierte Steinwerkzeuge in Gebrauch waren, bis tief in das Mittelalter herein in Gebrauch blieb.
164) Conservator Dr. Bizarro berichtete nach den „Mittheilungen“ an die k. k. Cent.-Com. f. K. u. hist. Denkmale in Wien, daß am 2. Sept. Grabungen bei St. Lucia begonnen und nach dreitägiger Arbeit ein befriedigendes Resultat erzielt wurde. Man hat am Zusammenflusse der Idria und des Isonzo den Begräbnißplatz einer Ansiedelung der Carnier gefunden. Allerdings fanden sich weder förmliche Reihengräber, noch regelmäßig gesetzte und eingefriedete Urnen, aber man deckte mehr als zwanzig neben- und übereinander gelegene Gräber auf. Allerdings fand sich theilweise der Leichenbrand einfach in die Grube gesenkt, bei anderen so geringe Ueberreste, daß es unentschieden bleibt, ob blos verstreute Asche oder Verbrennungsreste von Kinderleichen vorliegen. Auch wo Urnen die Reste aufgenommen hatten, war denselben wenig Sorgfalt zugewendet, so daß keine derselben hatte gerettet werden können. Dagegen fanden sich interessante Beigaben von kleinen Thongefäßen, ein kleiner kupferner Eimer, Schmucksachen, die theils italienischen, theils nordischen Charakter tragen, somit nordische Sitte und Tracht erkennen lassen.
165) In Mainz sind im Laufe des Sommers bei Kanalbauten sehr beachtenswerthe Funde gemacht worden. Eine Mittheilung nach der Darmst. Ztg. in Nr. 11 des Korrespondenzblattes des Ges. Ver. d. d. Gesch. u. Alterth. Ver. macht auf drei bedeutsame Denkmäler sacraler römischer Skulptur aufmerksam: einen kleinen Hausaltar ohne Inschrift von 50 cm. Höhe, einen dem Jupiter geweihten von 52 cm Höhe und 26 cm. Breite, auf dessen oberer Fläche die 25 cm. hohe Figur Jupiters sitzt, sodann einen geschuppten Säulenschaft, in der Mitte durch ein breites Leistenband geziert, auf welchem die fast runden Figuren der Juno, der Minerva und des Mercur sich befinden. Die Funde tragen starke Brandspuren und lagen in Brandschutt gebettet, aus dem noch große Stücke verkohlten Eichenholzes sich entnehmen ließen, so daß die Reste einem großen Gebäude mit mächtiger Balkendecke angehört haben müssen, das durch Feuer zerstört wurde.
166) In Kempten (Kanton Zürich) wurden im Juni d. J. Nachgrabungen vorgenommen, bei denen römische Ziegel, Scherben größerer und kleinerer Gefäße, Nägel, Eisenstücke und noch unversehrter Pflasterboden gefunden wurden.
(Nach. einer Correspondenz aus Wetzikon in Nr. 4. d. Anzeig. f. schweiz. Alterthumsk.)
167) Im Mai l. J. wurde in der Löwengasse zu Solothurn, wie die Oktobernummer des Anz. f. schweiz. Altthk. berichtet einige römische Amphoren gefunden, deren eine am Halse eine mit dintenartiger Schwärze aufgemalte Inschrift trug.