Die Gallicanische Liturgie (Sacramentar. Gallican. ed. Mabillon, Paris 1729), welche bereits in der Karolingischen Zeit außer Uebung kam, hat folgendes Gebetsformular: „ad mensam: Benedicantur nobis, Domine, dona tua, quae de tua largitate sumturi sumus, qui vivis et regnas etc. Post mensam: Gratias tibi agimus, omnipotens aeterne Deus, qui nos de tuis donis satiare dignatus es, per famulos illos.“
Das Formular, welches aus Psalmversen, anderweitig in der Liturgie vorkommenden Stücken und besonders gewählten Gebeten besteht und wechselsweise gesprochen wird, hat sich ohne Zweifel in den Klöstern herausgebildet. Die oben erwähnte Stelle aus den Gewohnheiten der Cluniacenser-Mönche beweist dafür. Aber auch die Regel des Patriarchen der abendländischen Mönche, des heil. Benedict, welche bereits im Anfange des 6. Jahrhunderts geschrieben wurde, bietet einen Anklang, wenn es daselbst heißt: cap. 43. „Ad mensam qui ante versum non occurrerit, ut simul omnes dicant versum et orent...“ und weiter unten: „qui ad illum versum non praesens fuerit, qui post cibum dicitur“. Merkwürdiger Weise ist jedoch die Geschichte des liturgischen Tischgebetes von den liturgischen Schriftstellern fast nicht behandelt, und eben so wenig finden sich genügende literarische Nachweise auf Grund älterer handschriftlicher oder gedruckter Formulare.
Das Gebet selbst ist durch das ganze Mittelalter bis auf die Neuzeit ununterbrochen in kirchlichem Gebrauche geblieben; es bedienen sich dessen ebensowohl der Weltklerus, wie die Ordensgeistlichen. Seit der durch das Concil von Trient angeordneten Revision der liturgischen Bücher ist die Benedictio mensae in den Anhang des Breviers aufgenommen, wo sie sich zwischen die Commendatio animae und das Itinerarium clericorum mit den nach den kirchlichen Festzeiten wechselnden Versikeln und Responsorien eingeschaltet findet.
Mainz.
Friedrich Schneider.
Ein Weisthum vom Jahre 1479.
„Ick Johan thon Broyle[2] richter bynnen Statlon van weggene myns leyven gnedigen hern von Monster (be)[3]kenne vnd betuge (bezeuge) in dessen apenen (offenen) besegelden breue dat ick sat (saß) in eynem gehegheden gerichte des h(oues) to Statloen dat dar vor my ghekommen ys Albert Bernynck myt Johanne Tegeder[4] thon Broyle synen g(ewune)nen vorspreken vnd vraggede dar eyn recht ordel dar eyn man vnd eyn frouwe weren vnde weren bey(de) eynweldich[5] in den hoff vnde de frouwe storue vnd hadde gyne (keine) kynder, de ze na leyte (die sie nachließe, hinterließe) wes m(yn) her (meinem Herren) daran voruallen were bestedet an Ludeken Kampes de dar vb wysede vngesmedet golt[6] buckene schoe vnde kleyder de myt syden beneyt (benähet) weren vnde den schulten syn vordel[7]. Went (da, weil) dyt (ge)richtliken vor my gescheyn ys so hebbe ick Johan ton Broyle richter vorg. myn ingesegel an d(essen) breff doͤn hangen. Datum anno domini MCCCClxxix des Frygdages na des hillighen cruce(s) dage invencionis“ (1479, Mai 7).
Da dieses Urtheil, dessen Kenntniß ich der Güte des Gutsbesitzers Herrn A. Krampe in Nordwalde bei Münster i. W. verdanke, am Gericht des Hofes zu Loen gefragt und gewiesen wurde, so stand zu vermuthen, daß das Loener Hofrecht v. J. 1363 einige Anhaltspunkte gewähren würde. Artikel 12 desselben[8] enthält denn auch eine ähnliche Bestimmung: