Judas Ischarioth in lateinischen Versen.
Ein kurzer Artikel im Daheim (Jahrg. 1880, S. 11): „Die Oedipussage im christlichen Gewande,“ veranlaßt mich, eine Mittheilung über eine Maihinger Handschrift zu machen, in welcher derselbe Stoff, welchen Franz Pfeiffer in Frommanns Zeitschrift für die d. Mundarten, II. Jahrg., S. 291 ff. als Probe altkölnischen Dialektes (saec. XV.) nach einer Stuttgarter Handschrift herausgab, und worauf der Daheimkorrespondent fußt, in lateinischen Versen behandelt ist.
Ich habe z. Z. weder den Maihinger Codex, noch Frommanns Zeitschrift vor mir; es mögen folgende Notate genügen, die ich mir ehedem über den Maiingensis machte.
Der Cod. Maiing. II. Lat. 1. fol. nro. 94 enthält auf Bl. 1a ein Gedicht, welches beginnt:
Cunctorum veterum placuere poemata multum;
Nunc nova scribentem plebs deridet quasi stultum.
V. 9.
Jeronimus pater egregius triplex ydeoma
Noverat et nobis doctrinae misit aroma.