Der gelehrte Verfasser, ein welterfahrener, vorurtheilsfreier Mann, der bereits im Jahre 1859 die werthvollen Beiträge zur Geschichte von Kloster Heilsbronn (Ansbach bei Seybold) veröffentlicht hat, steht in seinem 85sten Jahre, ist noch vollkommen lebensfrisch, in seinem geistlichen Amte aktiv und hat am Abend seines Lebens noch die freudige Genugthuung, das umfangreiche Geschichtswerk, an welchem er über 30 Jahre thätig war, in seiner Vollendung vor sich zu sehen.


Vermischte Nachrichten.

28) Der Major von Humbert auf Hohen-Kränig, Kreis Königsberg in N./M., bei Schwedt a./O., hat auf seiner Gutsfeldmark auf der Höhe des steilen linken Oderufers ein Heidengrabfeld aufgedeckt. Etwa einen halben Meter unter der Erde befanden sich in regelmäßigen Reihen von etwa einem Meter Abstand, von Außenwand zu Außenwand gemessen, kleine, etwa einen Meter hohe Packungen von unregelmäßigen Feldsteinen der verschiedensten Form, jedoch nicht über einen Quadratfuß höchstens groß. Etwa 12 derartige Stellen wurden aufgedeckt. Im Innern befanden sich einzelne große Urnen mit Stülpen darüber und meheren kleineren Gefäßen darin, meist noch umstellt mit leeren kleineren und größeren Gefäßen, darunter solche von ca. 1½ bis 2 Liter Inhalt. Nur in den größten Centralurnen befanden sich die Reste des Leichenbrandes, aber sehr vermorscht und auf besonders hohes Alter deutend. Neben einem solchen großen Gefäße lag frei in der Erde ein unverbrannter Menschenschädel, von dem jedoch nur ein Theil der Zähne gerettet werden konnte. Beigaben aus Stein oder Metall sind weder bei früheren Nachgrabungen noch jetzt gefunden worden. Man gewann diesmal ca. zwölf große und kleine thönerne Gefäße, dunkelbraun, von primitiver Form. Zweifellos handelt es sich um vorwendische Objekte. Herr von Humbert hat die ihm gehörigen Fundstücke den städtischen Behörden von Berlin für das Märkische Provinzial-Museum zum Geschenk gemacht.

(D. Reichs-Anz., Nr. 79.)

29) Cöln, 4. April. Die römischen Ausgrabungen bei der benachbarten Marienburg haben zu dem Funde eines oblongen, ungefähr 0,90 m hohen, 1,80 m langen und 0,90 m breiten Sarkophags, in welchem sich mehrere Gegenstände befanden, sowie eines 1,80 m hohen und 0,60 m breiten Grabsteins von Jurakalk geführt. Der erstere, dessen Deckel zertrümmert ist, trägt auf einer Langseite die folgenden Endworte einer im Uebrigen verwitterten, dreizeiligen Inschrift: VCI — VERINVS — IVLLONIE. Von den in dem Sarkophage aufgefundenen Gegenständen sahen wir bei dem Direktor der Aktiengesellschaft Marienburg, Herrn von Gellhausen, welcher leider erst nach Eröffnung des Sarges bei der Fundstelle eintraf, kleine Bruchstücke eines traubenförmig façonnierten Glasgefäßes, von dem wir vermuthen, daß es in seinem Hauptbestande erhalten war, einige Bronze-Appliken, anscheinend auf den Mithraskult bezüglich, eine Glasperle, verschiedene Kupfermünzen — Großerze und kleinere — von Hadrian, Antoninus Pius, Commodus, Tetricus, Postumus etc. und endlich einige, ihrer früheren Bestimmung nach unbestimmbare Metallplättchen und Ueberreste. Weitaus interessanter ist der vorgedachte Grabstein von rechteckiger Form, welcher auf seiner obern Hälfte in zierlich schlanken Buchstaben die nachfolgende, fast makellos erhaltene achtzeilige Inschrift trägt: L. Octavius L. F. Elaites, gubernator ann(orum) LVIII, stip(endiorum) XXXIIII h(ic) s(itus) e(st). Dionisius Plestharchi F. Trallianus scriba pro merit(is). Diese Inschrift ist von einigen gefurchten Linien umrahmt und überdacht von einem leicht reliefierten Giebelfelde mit einer Lotosblume in der Mitte, von der ausgehend verjüngende Akanthusblätter die Winkel des Dreiecks ausfüllen. Die oberen Zwickel des Steines sind mit Palmetten belebt. Die Fundstelle befindet sich nur 0,40 m unter der Oberfläche des die Marienburg umgebenden Grundstückes, welches jetzt behufs Offenlegung von Zugangswegen zu dem Gesellschaftshause eingeebnet wird. Eine von dem Bonner Provinzial-Museum für den Grabstein angebotene Summe wurde von dem Besitzer, der demselben in den Gartenanlagen der Marienburg eine hübsche Aufstellung zu geben gedenkt, abgelehnt.

(D. Reichs-Anz., Nr. 85, nach der Kölnischen Ztg.)

30) Bonn, 18. März. In der Nähe von Oberbreisig wurde ein Gebäude von rechteckiger Form, ungefähr 70 Fuß lang und 30 Fuß breit, aufgedeckt, welches zweifellos römischen Ursprungs ist, dessen Zweckbestimmung indeß erst die weitere Aufdeckung feststellen kann. Die Aufgrabung steht in Zusammenhang mit derjenigen mehrfacher anderer römischer Baureste des dortigen Distrikts, besonders einer römischen Villa beim Orte Waldorf und einer römischen Straße, welche von Sinzig herkommt. Die Ausgrabungen im Bereiche des Bonner Castrums haben augenblicklich wegen Bestellung der Felder bis zum Herbst Unterbrechung finden müssen, nachdem der große Abflußkanal, der von Westen nach Osten das ganze Castrum durchzieht, in einer Länge von ungefähr 300 Fuß festgestellt worden ist. Dieser große Kanal von theilweise 14 Fuß Tiefe der Sohle und einer Breite von 4 Fuß im Lichten wird seine volle Bedeutung für die Erforschung der Baueinrichtung des Castrums erst gewinnen, wenn es gelingt, seinen Anfang und Ausfluß in den Rhein festzustellen. Von großem Interesse dürfte auch das Resultat werden, welches die Ausgrabung auf der rechten Rheinseite, gegenüber dem Castrum, bei Schwarzrheindorf verspricht. Es ist bereits ein großer Mauercomplex aufgedeckt, über dessen nähere Bestimmung indeß die Aufklärung noch zu erwarten bleibt. Uebrigens sind diese Baureste keineswegs zufällig, sondern wohlbewußt von Professor aus’m Weerth gesucht worden.

(D. Reichs-Anz., Nr. 70, nach der Bonner Ztg.)

31) Der Bericht über die Versammlung des historischen Vereins zu Oberpfalz und Regensburg am 2. April theilt mit, daß in den letzten Tagen bei dem Graben des Fundaments des Liechtl’schen Neubaus vor den Ostenthore eine größere Anzahl von römischen Grabstätten bloßgelegt wurde. Herr Pfarrer Dahlem hat dieselben einer eingehenden Untersuchung unterzogen; bei dieser Gelegenheit fand derselbe mehrere Thongeschirre u. s. w., welche der Bauherr bereitwilligst dem historischen Vereine schenkte. Dieselben wurden in jener Versammlung vorgezeigt und von dem Herrn Vortragenden eingehend besprochen. Von besonderem Intresse ist der Töpfername Reginus auf einer Schale von terra sigillata, der bisher in Bayern nicht vorgekommen war. Hieran reihte der Herr Pfarrer sehr interessante Erörterungen über die römischen Straßenzüge und Begräbnißplätze rings um Regensburg. Namentlich wurde der östliche Beerdigungsplatz besprochen, der sich vom östlichen römischen Thore beim Carmeliten-Bräuhause bis Alt-St. Niclas sporadisch hinzog und vorzugsweise für Arme und Sklaven bestimmt gewesen zu sein scheint.