Fig. 5.

Fig. 6.

Wenn es somit auch nicht schwer fällt, die vom Herrn Verfasser des vorhergehenden Aufsatzes gewählte Bezeichnung umzustoßen, so ist es um so schwieriger, die Bedeutung der Krone in diesem Siegel festzustellen.

In der Heraldik kommt die Krone (Königskrone) als Schildfigur häufig vor. Als eigentliches Helmkleinod sie gesehen zu haben, erinnern wir uns nicht; wohl aber kommt sie oft genug als Hülfskleinod, ähnlich wie die Federkörbe, Wulste u. dgl. vor. Dafür erscheint sie bei dem vorliegenden Siegel zu groß, da der Federbusch sie nicht ausfüllt. Sollte nur der Siegelstecher sie in die Breite gezogen haben, weil im Mittelalter jedes Feld durch die Figuren entsprechend gefüllt sein mußte, ein Grundsatz, der jedem Maler oder Bildschnitzer für jede Composition ebenso galt,[235] wie dem Heraldiker für die Schildzeichnung, und den auch jedes schöne Siegel bezüglich der Darstellung, ob diese nun eine heraldische war oder nicht, zur Geltung bringt?[236] Unbedingt überzeugend ist allerdings diese Erklärung nicht. Ist es etwa besser, anzunehmen, daß Gäb einer Bruderschaft oder einem Orden angehörte, deren Symbol die Krone war? etwa einer Bruderschaft der Himmelskönigin? Führte er deshalb eine Königskrone im Siegel? die Krone der Himmelskönigin? Sollte aber auch die Krone nichts anderes sein, als ein vom Künstler der Form des Siegelfeldes wegen ins Breite gezogenes Hülfskleinod, so ist die Darstellung des Kleinodes ohne Helm als Siegelbild höchst interessant, wenn auch nicht ohne Parallelbeispiele.

Fig. 7.