Der Mathematiker Joh. Schindel (1444).
In dem Maihinger Codex, aus welchem ich neulich (s. Sp. 174 ff.) die Nachricht über den Füssener Spitalbau mittheilte, steht unter andern Gelehrtenbriefen auf Blatt 247 ein Brief des bekannten Aeneas Sylvius Piccolomini, welcher nach G. Voigt’s chronologischem Verzeichnisse der „Briefe des Aeneas Sylvius vor seiner Erhebung auf den päpstlichen Stuhl“ (in dem Archiv für österreich. Geschichts-Quellen, Bd. XVI, 1856, S. 321 ff.) noch nicht bekannt zu sein scheint:
Domino Johanni Schindel[361] singulari astronomo viroque probatissimo Eneas Silvius s. p. d. Reversus nunc ad cesarem insignis miles Procopius de Rabenstein tui meique amantissimus retulit, quod mihi summe voluptati fuit me tibi dilectum esse.. Quid enim in me est, quod a te viro laudatissimo diligi debeat?... Nihil ego erga te boni unquam operatus sum.. cur ergo me colas non scio... Quia laus ea demum dulcis est que a laudato viro procedit, magno me munere donatum arbitror, dum me tuis litteris extolli audio.... Daturus operam ut talis sim qualem me predicas... Nunquam ego te vidi neque tu me uti arbitror vidisti. Sed tua fama facit ut te unice observem; nam seculi nostri precipuum decus censeris qui et siderum cursus et futuras tempestates et pestes et steriles annos unicus vere predicere noris; hinc ego te amo colo observo sumque tuus. Nam virtus huius mundi et quos nunquam vidimus amare nos facit... Tu ergo, vir prestantissime, a me amaris qui tua singulari ac prestanti virtute nostrum ornas seculum... ornari me tua dilectione non ambigo. Persevera igitur; nam et si non quem reris, tamen is sum, qui diligentes me reciproce diligo totisque viribus amo. Vale; ex Wienna die XX. Novembris anno 44.
Dinkelsbühl.
Georg Schepß.
Fußnote:
[361] Zu Joh. Schindel vergl. Anzeiger 1878, Nr. 1, Sp. 1.
Der kultur- und kunstgeschichtliche Inhalt der Darstellungen in Miniaturen, Handzeichnungen, Gemälden, Holzschnitten u. s. w. in den Sammlungen des germanischen Museums.
Die Sammlung der Handschriften, die mit Miniaturen und Handzeichnungen ausgestattet sind, welche das germanische Museum besitzt, kann sich zwar nicht mit den ähnlichen Beständen alter, großer Bibliotheken, jene der Handzeichnungen nicht mit älteren Kunstsammlungen messen. Als das germanische Museum begründet wurde, war die Zeit zum Sammeln nach beiden Richtungen vorüber. Was etwa noch in den Handel kam, wurde meist mit Preisen bezahlt, die es unserer Anstalt unzugänglich machten. So ist nach den genannten beiden Richtungen hin der Bestand der freih. von Aufseß’schen Sammlungen nicht sehr wesentlich gemehrt worden. Nichtsdestoweniger ist denn doch Manches vorhanden, was in künstlerischer Beziehung als eine Perle bezeichnet werden kann, die zwischen anderen Sachen wie in einer goldenen Fassung steckt, und die verschiedenen Darstellungen enthalten außerordentlich reiches Material zur Kulturgeschichte. Glücklicher ist das Museum in Bezug auf die gedruckten Bücher mit Illustrationen aus dem 15. und 16. Jahrh., wie in Bezug auf Holzschnitte und Kupferstiche, nach welchen Richtungen mit Glück umfassende Erwerbungen hatten gemacht werden können. Selbst in Bezug auf Gemälde waren die Bemühungen des Museums von günstigerem Erfolge vor allem dadurch begleitet, daß die kgl. bayer. Staatsregierung aus ihren Beständen dem Museum Vieles überließ. So sind auch auf diesem Gebiete manche „Perlen“ der Sammlung des Museums einverleibt worden. Vor allem war aber bei der Auswahl die kulturgeschichtliche Bedeutung der Bilder maßgebend, und manches Bild ist zur Erläuterung kunstgeschichtlicher Fragen von Wichtigkeit, wenn es auch als Kunstwerk nicht den ersten Rang einnimmt.